Wer lesen kann…

marcus 20. November 2009

Es gibt Entscheidungen, bei denen man nur verlieren kann. Das Reziproke einer Win-Win-Situation. Nullsummentheoretisch muss es sie auch geben, die Lose-Lose-Situation.

Einige dieser Entscheidungen lassen sich durch Logik, andere übers Bauchgefühl treffen. Wenn aber beides nichts hilft, wenn die Logik das Für und Wider diskutiert und doch zu keinem Schluss kommt, wenn sich der Bauch zu einem Knoten zusammenzieht, wenn ich keine Antwort von außen erwarten kann, dann suche ich mein Heil in der letzten Instanz. Zu ihr komme ich übers Schreiben, über Musik oder den Besuch besonderer sakraler Bauten.

Das letzte Mal als ich mich entscheiden wollte, in welcher Hinsicht ich verlieren werde, war ich in Lund. Das Schreiben half nichts, ich drehte mich im Kreis, die richtige Musik war nicht dabei, also ging ich zum Dom. Der war verschlossen. Meine Zeit war nun aber knapp bemessen, weil ich erwartet wurde, daher setzte ich mich auf eine Bank und versuchte es trotzdem mit dem spirituellen Uplink. Mürrisch wurde mir zugehört, mein Sinnen, mein Zweifeln wurden zwar verstanden und hingenommen, doch lautete die Antwort nur «Tue, was Du denkst, tun zu müssen». Das war keine wirkliche Hilfe. Ungeduldig wie ich nun einmal bin, verlangte ich ein Zeichen und weil es weder Schwefel und Feuer auf mich regnete noch ein Regenbogen mir erschien, fällte ich meinen Entschluss.

Heute fand ich eine Werbung in meinem neuen Briefkasten. Darauf stand: «Das hat Gott für Dich getan.» «Danke», dachte ich mir, «das wäre aber echt nicht nötig gewesen.»

Eine Weile später dachte ich mir: «Für ein Zeichen ganz schön spät».

Jetzt fällt mir ein, dass ich das Zeichen schon vor Augen hatte, noch bevor ich darum bat: Der Dom war geschlossen. Wegen einer Hochzeit.

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