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	<title>re(e)volution · blog &#187; Selbstversuch</title>
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	<description>[ · personal pathfinder · ]</description>
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		<title>Danach.</title>
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		<pubDate>Wed, 31 Mar 2010 14:29:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>derliebemarcus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Augen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm; line-height: 200%; text-align: justify } 		A:link { so-language: zxx } -->Augen auf. Ein blauer Himmel strahlt mir durch einen Spalt zwischen Rollo und Fensterbrett unverfroren ins Gesicht. Ich starre ihn an: „Wenn ich dich erwische&#8230;“</p>
<p>Okay. Erstmal Frühsport. Wir lassen die Gedanken ganz langsam und rhythmisch um den gestrigen Abend kreisen.</p>
<p>Mitte. Caipirinhas. Viele Caipirinhas. Schluss. Dürüm mit langer Wartezeit, weil ich Depp natürlich wieder einen besonderen wollte. Deshalb fast den Bus verpasst. Finde zum Glück einen Sitzplatz, esse im Bus. Ein kleines bisschen auf den Boden gekleckert, aber die Schäden beseitigt. Das tiefe Gefühl von Befriedigung und Stolz ob meiner Leistung. Moritzplatz. Die Fensterscheibe schlägt mir immerzu an den Kopf. Nicht einschlafen! Licht aus.</p>
<p>Licht an. Britz. Google maps sagt 7,6 km bis nach Hause. Bitte? Ist das hier 1/Mitte? Das Handy meldet Ladebedarf an. Zurück in die reale Welt. Merke: Der Nachtbus fährt weiter als M44, auf keinen Fall einschlafen. Prima. Mein Bus kommt. Ich muss an der Endhaltestelle aussteigen. In der Ecke war ich noch nie. Verpasst habe ich trotzdem nicht viel. Hermannstraße. Hier muss ich raus. Ich helfe zwei Touristinnen, ihren Heimweg zu finden. Sowohl Busfahrer als auch Busbegleitpersonal können kein Wort englisch sprechen. Geschafft. Die Mädels sitzen versorgt im Bus, ich gehe zu Fuß weiter. Der Nachtbus fährt an mir vorbei, der kommt wie aus dem Nichts. Merke: Die M44 fährt weiter als Nachtbus, da kannst Du sitzenbleiben. Verdammt. In der Okerstraße hüpft eine Amsel von Baum zu Baum und begleitet mich bis vor die Haustür. Ich bin endlich da, das wurde wirklich auch Zeit. Fahrstuhl rein, Fahrstuhl raus. Tür auf, Tür zu. Es dreht im Kopf. Egal. Licht aus.</p>
<p>Das war sehr vollständig. Bravo! Zurück in die unmittelbare Gegenwart. Blauer Himmel. Das bedeutet sicherlich, dass ich weit nach meinem Wecker aufgestanden bin. Halb elf. Stimmt. Das war so nicht ausgemacht. Eigentlich sollte das Radio doch schon seit einer halben Stunde laufen. Testhalber schalte ich es ein. Es funktioniert, ist aber leiser als erwartet. Dass ich das nicht hören kann, wenn ich im Tiefschlaf bin, ist klar. Da meldet sich auch mein Telefon und erinnert mich daran, dass ich seine Weckfunktion noch nicht gewürdigt habe. Die Melodie ist zu seicht, heute hätte ich was griffigeres hören müssen. Gitarren, Schlagzeug, raue Stimmen oder Fanfaren.</p>
<p>So richtig verkatert bin ich gar nicht. Das liegt auch am Dürum, aber nicht ausschließlich. Genau: Wo ist eigentlich das Eichhörnchen, dessen buschiger Schwanz mich sonst immer in meinem Mund begrüßt? Ach ja richtig: Mitte-Stylo-Nichtraucher-Lokal. Mitte fetzt.  Also kein Eichhörnchen, nur ein Kätzchen ohne Extras zum Hieressen. Und mein kleines, aufgewecktes, fünfjähriges Ich. Putzmunter und quicklebendig wie eh und je. Toll. Es kann schon voll viel, wie zum Beispiel auf dem Bett herumhüpfen und dabei gleichzeitig laut rufen: »Lass uns was machen lass uns was machen«. Da ich noch nicht in der Lage bin, von mir selbst angenervt zu sein, gebe ich mir nach und stehe auf. Es ist eh längst Zeit.</p>
<p>Ich gehe ins Wohnzimmer, will eigentlich aber in die Küche. Ich gehe also in die Küche, will dann aber doch zurück ins Wohnzimmer. Ich gehe ins Wohnzimmer und will  wieder in die Küche. Ich gehe in die Küche, will aber eigentlich ins Wohnzimmer. Okay. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, warum ich durch die Wohnung tigere. Vielleicht braucht das Kind in mir einfach Auslauf. Wäre ich wirklich fünf, hätte ich das sicher in der Hälfte der Zeit geschafft. Bin ich aber nicht. Außerdem ist mein Haupthirn noch nicht munter. Nagut. Aus dem Schlafzimmer komme ich, in den anderen zwei Räumen bin ich auch schon gewesen, eins bleibt übrig, da gehe ich jetzt hin.</p>
<p>Herrlich: Verkatert aufm Pott sitzen und Twitter-Gossip abgreifen. Das ist viel besser als Zeitung zu lesen. Erstens handlicher, zweitens weniger anspruchsvoll und drittens müsste ich die Zeitung erst aus dem Briefkasten holen. <a href="http://twitter.com/Stadtbahn" target="_blank">Stadtbahn</a> hat soeben einen Stormtrooper <a href="http://twitpic.com/1c4e4k" target="_blank">entdeckt</a>. Solange das Imperium mich stetig mit Caipirinhas versorgt, kann es von mir aus hinschlagen wo es will. <a href="http://twitter.com/BrentSpiner" target="_blank">Brent Spiner</a> <a href="http://twitter.com/BrentSpiner/status/11350933569" target="_blank">wundert sich</a> über <a href="http://twitter.com/levarburton" target="_blank">LeVar Burtons</a> <a href="http://twitter.com/levarburton/status/11336413278" target="_blank">Twitterei</a>. Levar Burton hat offenbar seine Handynummer getwittert, etwas ähnliches hatte wohl auch Facebook im Sinn, als sie in der Nacht für eine halbe Stunde die eMail-Adressen seiner Nutzer für alle Welt sichtbar gemacht haben. Die Reaktion in Form eines <a href="http://www.basicthinking.de/blog/2010/03/31/facebook-legt-fuer-30-minuten-die-mail-adressen-der-mitglieder-offen/" target="_blank">Aufschreis</a> kam prompt &#8211; via Twitter: Die Leute haben Angst vor Stalkern. Ist es wirklich noch zu früh für mich, um das zu verstehen? Das Wesentliche ist doch, dass die neuen Regeln zur Privatsphäre offenbar schon beschlossene Sache sind und die den <a href="http://www.facebook.com/fbsitegovernance#%21/fbsitegovernance?v=app_4949752878" target="_blank">Nutzern eingeräumte Möglichkeit, die neuen Regeln zu kommentieren</a>, reine Makulatur ist.</p>
<p>Da bin ich wieder: »Lass uns Wäsche waschen! Wäsche waschen! Juhu!« Welche Wäsche wollen wir denn waschen? »Hmmm, weiß nicht? Bettwäsche! Jaaaaa!« Nagut, dann schauen wir mal, wie lange das Waschprogramm braucht. »Juhu!« Ich steuere auf die Waschmaschine zu, im Augenwinkel erfasse ich leere Speeflasche. Das wird wohl nichts, das Waschmittel ist alle. »Toooof!« Also setzt ich Spee auf den sich seit zwei Wochen aufblähenden Einkaufszettel. Was brauche ich eigentlich nicht? Kaffee, davon habe ich nämlich noch vier Päckchen. Dumm nur, dass mein Kaffeeverbrauch im Augenblick gegen Null geht. Ich gratuliere mir für einen vorausschauenden Schnäppchenkauf.</p>
<p>Ich stehe im Schlafzimmer. Bin wohl falsch abgebogen. Mein übergroßer Plüschteddy sitzt vor einem der Lautsprecher. Deshalb war das Radio vorhin so leise. Rätsel gelöst.</p>
<p>Im Bad. Natürlich bin ich längst da: »Duschen! Juhu! Kaltes Wasser! Ich!« Das ja ist wie bei <a href="http://de.wikisource.org/wiki/Der_Hase_und_der_Igel_%281843%29" target="_blank">der Hase und der Igel</a>. Unter der Dusche sinniere ich über einen neuen Anrufbeanworterspruch und bleibe an meinem Dialekt hängen: Es ist für einen Sachsen fast unmöglich, ein Wort mit mehr als vier Silben sauber auszusprechen. Alles was danach kommt, wird fast zwanghaft gekürzt. Ich zwinge mich, das Wort An-ruf-be-ant-wor-ter mit allen Silben auszusprechen. Es geht nicht. Es liegt am o. Dieser kleine gemeine Vokal verleidet mir doch tatsächlich die korrekte Aussprache &#8211; im Rahmen der Möglichkeiten meines Dialekts. Damit ist der Anrufbeanworterspruch wertlos.</p>
<p>Mein fünfjähriges Ich ist mit offenem Mund staunend verstummt. Das ist das Haupthirn, da staunste, was?  Na wart&#8217;s nur ab, wenn Du mal groß bist, hast Du auch so eins. Nein halt, Du bist ja ich mit fünf, Du wirst nicht älter. Ich bin verwirrt. »Kaltes Wasser! Juhu!« Verdammt. Ich hätte meine Klappe nicht halten sollen. Gut, dann eben kaltes Wasser. Erstaunt nehme ich wahr, dass mein Haupthirn jetzt zügig hochfährt. Das war eine gute Idee. Und selbstlos obendrein: Ich dem Maße, wie sich mein Bewusstsein rehabilitiert, verschwindet auch mein Kinds-Ich. Vielleicht ist es ja mein persönliches <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Figuren_im_Star-Trek-Universum#Der_Doktor" target="_blank">MHN</a>. Das wäre ziemlich cool.</p>
<p>Inzwischen ist der Himmel bereits von Wolken überzogen. Das Wetter passt mir hervorragend in den Kram. So ganz fies verkatert bin ich ja nicht, aber bei wolkenlos wäre Sonnenbrille trotzdem Pflicht gewesen. Die liegt sicher verwahrt im Etui. Das wiederum befindet sich in der Tasche und die habe ich im Büro gelassen.</p>
<p>In der U-Bahn titelt die BZ damit, dass <a href="http://www.bz-berlin.de/sport/mehr-sport/gold-britta-liebt-paul-biedermann-article789997.html" target="_blank">Britta Steffen Paul Biedermann liebt</a>, ach ja und <a href="http://www.bz-berlin.de/leute/courtney-love-liebt-uma-thurmans-ex-article789571.html" target="_blank">die Witwe von Kurt Cobain liebt jetzt den Ex-Verlobten von Uma Thurman</a>. Prima. Wie alt sind eigentlich die Erfinder dieser Überschriften? Acht? Zehn? Höchstens zwölf!</p>
<p>Der neue <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Schawarma" target="_blank">Schwarma</a>-Dealer meines Vertrauens grüßt mich grinsend mit einem: »Wie immer?« Wie immer heißt: Eine Schawarma zum Mitnehmen und ein starker Kaffee. Das perfekte Frühstück zum Mittag.</p>
<p>Auf meinem weiteren Weg stelle ich fest, dass ich keins meiner beiden Feuerzeug eingesteckt habe. Den Polizisten, der auf die Wohnung vom Innenminister aufpasst, traue ich mich nicht zu fragen. Er könnte ob der konischen Form misstrauisch werden. Rauchen ist sowieso ungesund.</p>
<p>Im Büro. Mein Rechner fährt hoch. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Doch schon so spät. Obwohl: Um von der Kneipe ins Bett zu kommen, habe ich wirklich drei Stunden gebraucht und vom Bett bis ins Büro nochmal so viel. Passt doch.</p>
<hr />
<ul>
<li>geschrieben von derliebemarcus auf <a href="http://blog.reevolution.org">re(e)volution · blog</a>, 2010. 
<li><a href="http://blog.reevolution.org/danach-970">Permalink</a> zum Artikel.
<li><a href="http://blog.reevolution.org/danach-970#comments">Ein Kommentar</a> 
<li>Schlagworte: <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/berlin" rel="tag">Berlin</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/danke-bvg" rel="tag">Danke BVG</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/das-ist-doch-albern" rel="tag">Das ist doch albern!</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/erzahlt" rel="tag">erzählt</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/facebook" rel="tag">Facebook</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/ich-pladiere-auf-geistige-abwesenheit" rel="tag">Ich plädiere auf geistige Abwesenheit</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/keine-drogen-ich-wiederhole-keine-drogen" rel="tag">Keine Drogen. Ich wiederhole: Keine Drogen!</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/nichtstun" rel="tag">Nichtstun</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/selbstversuch" rel="tag">Selbstversuch</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/social-network" rel="tag">Social Network</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/strasenbahn-bus-co" rel="tag">Straßenbahn  Bus &amp; Co</a>, <a href="http://blog.reevolution.org/schlagwort/twitter" rel="tag">Twitter</a>
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