Danach.
Augen auf. Ein blauer Himmel strahlt mir durch einen Spalt zwischen Rollo und Fensterbrett unverfroren ins Gesicht. Ich starre ihn an: „Wenn ich dich erwische…“
Okay. Erstmal Frühsport. Wir lassen die Gedanken ganz langsam und rhythmisch um den gestrigen Abend kreisen.
Mitte. Caipirinhas. Viele Caipirinhas. Schluss. Dürüm mit langer Wartezeit, weil ich Depp natürlich wieder einen besonderen wollte. Deshalb fast den Bus verpasst. Finde zum Glück einen Sitzplatz, esse im Bus. Ein kleines bisschen auf den Boden gekleckert, aber die Schäden beseitigt. Das tiefe Gefühl von Befriedigung und Stolz ob meiner Leistung. Moritzplatz. Die Fensterscheibe schlägt mir immerzu an den Kopf. Nicht einschlafen! Licht aus.
Licht an. Britz. Google maps sagt 7,6 km bis nach Hause. Bitte? Ist das hier 1/Mitte? Das Handy meldet Ladebedarf an. Zurück in die reale Welt. Merke: Der Nachtbus fährt weiter als M44, auf keinen Fall einschlafen. Prima. Mein Bus kommt. Ich muss an der Endhaltestelle aussteigen. In der Ecke war ich noch nie. Verpasst habe ich trotzdem nicht viel. Hermannstraße. Hier muss ich raus. Ich helfe zwei Touristinnen, ihren Heimweg zu finden. Sowohl Busfahrer als auch Busbegleitpersonal können kein Wort englisch sprechen. Geschafft. Die Mädels sitzen versorgt im Bus, ich gehe zu Fuß weiter. Der Nachtbus fährt an mir vorbei, der kommt wie aus dem Nichts. Merke: Die M44 fährt weiter als Nachtbus, da kannst Du sitzenbleiben. Verdammt. In der Okerstraße hüpft eine Amsel von Baum zu Baum und begleitet mich bis vor die Haustür. Ich bin endlich da, das wurde wirklich auch Zeit. Fahrstuhl rein, Fahrstuhl raus. Tür auf, Tür zu. Es dreht im Kopf. Egal. Licht aus.
Das war sehr vollständig. Bravo! Zurück in die unmittelbare Gegenwart. Blauer Himmel. Das bedeutet sicherlich, dass ich weit nach meinem Wecker aufgestanden bin. Halb elf. Stimmt. Das war so nicht ausgemacht. Eigentlich sollte das Radio doch schon seit einer halben Stunde laufen. Testhalber schalte ich es ein. Es funktioniert, ist aber leiser als erwartet. Dass ich das nicht hören kann, wenn ich im Tiefschlaf bin, ist klar. Da meldet sich auch mein Telefon und erinnert mich daran, dass ich seine Weckfunktion noch nicht gewürdigt habe. Die Melodie ist zu seicht, heute hätte ich was griffigeres hören müssen. Gitarren, Schlagzeug, raue Stimmen oder Fanfaren.
So richtig verkatert bin ich gar nicht. Das liegt auch am Dürum, aber nicht ausschließlich. Genau: Wo ist eigentlich das Eichhörnchen, dessen buschiger Schwanz mich sonst immer in meinem Mund begrüßt? Ach ja richtig: Mitte-Stylo-Nichtraucher-Lokal. Mitte fetzt. Also kein Eichhörnchen, nur ein Kätzchen ohne Extras zum Hieressen. Und mein kleines, aufgewecktes, fünfjähriges Ich. Putzmunter und quicklebendig wie eh und je. Toll. Es kann schon voll viel, wie zum Beispiel auf dem Bett herumhüpfen und dabei gleichzeitig laut rufen: »Lass uns was machen lass uns was machen«. Da ich noch nicht in der Lage bin, von mir selbst angenervt zu sein, gebe ich mir nach und stehe auf. Es ist eh längst Zeit.
Ich gehe ins Wohnzimmer, will eigentlich aber in die Küche. Ich gehe also in die Küche, will dann aber doch zurück ins Wohnzimmer. Ich gehe ins Wohnzimmer und will wieder in die Küche. Ich gehe in die Küche, will aber eigentlich ins Wohnzimmer. Okay. Ich gebe zu, dass ich nicht weiß, warum ich durch die Wohnung tigere. Vielleicht braucht das Kind in mir einfach Auslauf. Wäre ich wirklich fünf, hätte ich das sicher in der Hälfte der Zeit geschafft. Bin ich aber nicht. Außerdem ist mein Haupthirn noch nicht munter. Nagut. Aus dem Schlafzimmer komme ich, in den anderen zwei Räumen bin ich auch schon gewesen, eins bleibt übrig, da gehe ich jetzt hin.
Herrlich: Verkatert aufm Pott sitzen und Twitter-Gossip abgreifen. Das ist viel besser als Zeitung zu lesen. Erstens handlicher, zweitens weniger anspruchsvoll und drittens müsste ich die Zeitung erst aus dem Briefkasten holen. Stadtbahn hat soeben einen Stormtrooper entdeckt. Solange das Imperium mich stetig mit Caipirinhas versorgt, kann es von mir aus hinschlagen wo es will. Brent Spiner wundert sich über LeVar Burtons Twitterei. Levar Burton hat offenbar seine Handynummer getwittert, etwas ähnliches hatte wohl auch Facebook im Sinn, als sie in der Nacht für eine halbe Stunde die eMail-Adressen seiner Nutzer für alle Welt sichtbar gemacht haben. Die Reaktion in Form eines Aufschreis kam prompt – via Twitter: Die Leute haben Angst vor Stalkern. Ist es wirklich noch zu früh für mich, um das zu verstehen? Das Wesentliche ist doch, dass die neuen Regeln zur Privatsphäre offenbar schon beschlossene Sache sind und die den Nutzern eingeräumte Möglichkeit, die neuen Regeln zu kommentieren, reine Makulatur ist.
Da bin ich wieder: »Lass uns Wäsche waschen! Wäsche waschen! Juhu!« Welche Wäsche wollen wir denn waschen? »Hmmm, weiß nicht? Bettwäsche! Jaaaaa!« Nagut, dann schauen wir mal, wie lange das Waschprogramm braucht. »Juhu!« Ich steuere auf die Waschmaschine zu, im Augenwinkel erfasse ich leere Speeflasche. Das wird wohl nichts, das Waschmittel ist alle. »Toooof!« Also setzt ich Spee auf den sich seit zwei Wochen aufblähenden Einkaufszettel. Was brauche ich eigentlich nicht? Kaffee, davon habe ich nämlich noch vier Päckchen. Dumm nur, dass mein Kaffeeverbrauch im Augenblick gegen Null geht. Ich gratuliere mir für einen vorausschauenden Schnäppchenkauf.
Ich stehe im Schlafzimmer. Bin wohl falsch abgebogen. Mein übergroßer Plüschteddy sitzt vor einem der Lautsprecher. Deshalb war das Radio vorhin so leise. Rätsel gelöst.
Im Bad. Natürlich bin ich längst da: »Duschen! Juhu! Kaltes Wasser! Ich!« Das ja ist wie bei der Hase und der Igel. Unter der Dusche sinniere ich über einen neuen Anrufbeanworterspruch und bleibe an meinem Dialekt hängen: Es ist für einen Sachsen fast unmöglich, ein Wort mit mehr als vier Silben sauber auszusprechen. Alles was danach kommt, wird fast zwanghaft gekürzt. Ich zwinge mich, das Wort An-ruf-be-ant-wor-ter mit allen Silben auszusprechen. Es geht nicht. Es liegt am o. Dieser kleine gemeine Vokal verleidet mir doch tatsächlich die korrekte Aussprache – im Rahmen der Möglichkeiten meines Dialekts. Damit ist der Anrufbeanworterspruch wertlos.
Mein fünfjähriges Ich ist mit offenem Mund staunend verstummt. Das ist das Haupthirn, da staunste, was? Na wart’s nur ab, wenn Du mal groß bist, hast Du auch so eins. Nein halt, Du bist ja ich mit fünf, Du wirst nicht älter. Ich bin verwirrt. »Kaltes Wasser! Juhu!« Verdammt. Ich hätte meine Klappe nicht halten sollen. Gut, dann eben kaltes Wasser. Erstaunt nehme ich wahr, dass mein Haupthirn jetzt zügig hochfährt. Das war eine gute Idee. Und selbstlos obendrein: Ich dem Maße, wie sich mein Bewusstsein rehabilitiert, verschwindet auch mein Kinds-Ich. Vielleicht ist es ja mein persönliches MHN. Das wäre ziemlich cool.
Inzwischen ist der Himmel bereits von Wolken überzogen. Das Wetter passt mir hervorragend in den Kram. So ganz fies verkatert bin ich ja nicht, aber bei wolkenlos wäre Sonnenbrille trotzdem Pflicht gewesen. Die liegt sicher verwahrt im Etui. Das wiederum befindet sich in der Tasche und die habe ich im Büro gelassen.
In der U-Bahn titelt die BZ damit, dass Britta Steffen Paul Biedermann liebt, ach ja und die Witwe von Kurt Cobain liebt jetzt den Ex-Verlobten von Uma Thurman. Prima. Wie alt sind eigentlich die Erfinder dieser Überschriften? Acht? Zehn? Höchstens zwölf!
Der neue Schwarma-Dealer meines Vertrauens grüßt mich grinsend mit einem: »Wie immer?« Wie immer heißt: Eine Schawarma zum Mitnehmen und ein starker Kaffee. Das perfekte Frühstück zum Mittag.
Auf meinem weiteren Weg stelle ich fest, dass ich keins meiner beiden Feuerzeug eingesteckt habe. Den Polizisten, der auf die Wohnung vom Innenminister aufpasst, traue ich mich nicht zu fragen. Er könnte ob der konischen Form misstrauisch werden. Rauchen ist sowieso ungesund.
Im Büro. Mein Rechner fährt hoch. Ich werfe einen Blick auf die Uhr. Doch schon so spät. Obwohl: Um von der Kneipe ins Bett zu kommen, habe ich wirklich drei Stunden gebraucht und vom Bett bis ins Büro nochmal so viel. Passt doch.
Collage
| Living in a world of dreams | France Joli – Come To Me |
| We’re fated to pretend |
MGMT – Time To Pretend |
| Looking for the answer | The Killers – Human |
| Although the words are wrong |
Blur – The Universal |
| All the words have been spoken and the prophecy fulfilled | Billy Joel – Got To Begin Again |
| Just what the truth is, I can’t say anymore |
Moody Blues – Nights in White Satin |
| I’ve finally come to realize | Marit Bergman – Julia |
| Well, everybody hurts sometimes. |
R.E.M. – Everybody Hurts |
| In the gaps, inbetween words | Maximo Park – Girls Who Play Guitars |
| Did I have to make mistakes? |
Danny Wilson – Mary’s Prayer |
| For years and years and years and years | The Fray – You Found Me |
| Wonder why the right words never come |
Eagles – Tequila Sunrise |
| How long should I stay? | Stars – Midnight Coward |
| How can I go on? |
Freddie Mercury & Montserrat Caballé – How Can I Go On |
| No I don’t wanna battle from beginning to end | Coldplay – Death and All His Friends |
| Don’t wanna fight, don’t wanna die |
The Arcade Fire – Intervention |
| No i’m not sure if i could handle that | Miss Li – Seems Like We Lost It |
| Though I battle blind. |
Amy Winehouse – Love Is A Losing Game |
| I listened to the night time breeze | Hercules And Love Affair – This Is My Love |
| Now I’m smoking cigarettes and I strive for purity |
Tom Waits – Grapefruit Moon |
| On that midnight train to Georgia | Gladys Knight & the Pips – Midnight Train To Georgia |
| I found a little piece of you |
Miss Li – Seems like we lost it |
| It can warm your lonely nights | Randy Crawford – You Might Need Somebody |
| when you are near |
Camouflage – Love is a shield |
| It’s a miracle | Queen – The Miracle |
| You will only get it once | Joel Alme – You Will Only Get It Once |
100208
Wieder in Berlin
20 Uhr 44. Drei Flaschen vorzüglichen Rieslings im Gepäck treffe ich im Neuköllner Epizentrum der studentischen Feierlaune meines Matrikeljahres ein. Johanna mit den frisch gewaschenen Haaren öffnet die Tür, Laura muss noch malochen. Eine muss schließlich das Geld verdienen.
20 Uhr 45. Vom vielen Reden sind uns die Kehlen ganz trocken und rau. Um unserer Selbst willen suchen wir fieberhaft nach Lösungen, Johanna hat Weißen im Kühlschrank gefunden, der wird zur ersten Hilfsmaßnahme erklärt.
20 Uhr 46. Die erste Flasche öffnet sich fast von selbst. Wie immer. Der Wein schmeckt, obwohl er als Medizin gilt. Unser Glückstag!
22 Uhr 53. Laura ist endlich fertig. Trifft sich gut, denn Johanna und ich brauchen dringend Nahrung.
23 Uhr 07. Döner hat die Currywurst als typisches Berliner Gericht abgelöst. Gibt’s auch viel häufiger und europaweit. Die Türkei muss überhaupt nicht in die EU, sie ist schon längst da. Europäische Nachkriegsesskultur ohne Döner? Undenkbar!
1 Uhr 30. Die Urlaubserzählungen sind vorbei. In den Weinflaschen herrscht auch gähnende Leere. Durchzählen… ein, zwei, drei, vier, fünf. Alle Flaschen anwesend. Alle Flaschen leer. Schade eigentlich. Während ich in trüb-schwermütigen Gedanken an Systembollaget denke, senden Johanna & Laura fast gleichzeitig ein bekanntes Stoßgebet gen Himmel: Späti, gib uns Nachschub! Ich schiebe ein Berlin, Hallelujah, Berlin! hinterher.
1 Uhr 31. Wir küren Johanna zur Oberhofweinbesorgungsfachfrau.
1 Uhr 37. Nachschub trifft ein, ein kurzes liebliches Ploppen durchzuckt den Raum, gefolgt von Schwefelgeruch, der der rauchgeschwängerten Luft eine weitere Note hinzufügt. Die Musik wird von laut auf richtig laut gestellt, ein Ball aus drei ziemlich angetrunkenen Menschen schickt sich an, zu einem spontan ausgesuchtem Mix aus 80er und Elektro zu tanzen. Wechselweise wird über die aktuelle musikalische Leitung entschieden. Das Neuköllner Epizentrum afrikawissenschaftlicher Feierlaune ergeht sich in meisterhaften Elegien rhytmischer Zuckungen.
2 Uhr 17. Ich muss dringend schlafen. Sagt mein Körper. Laura heisst mich eine weitere Flasche Wein aufzumachen. Das halbtrockene Ploppen verstummt im Treiben der Bässe. Die Gläser spielen Ringelreihen, kommen und gehen, werden zusammengestossen und geleert, um anschließend von Neuem gefüllt zu werden.
2 Uhr 59. Die siebte Flasche hallt als Dominantsept in mir nach: Sehr dominant und nach Auflösung strebend. Ich muss ins Bett, doch die Damen unbeaufsichtigt auf der Tanzfläche zurückzulassen bringe ich nicht übers Herz. Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage wach…
3 Uhr 30. Mein Körper strebt zielsicher eine Lösung entgegen, doch nicht ins muntere Dur, sondern ins schläfrige moll, wenn ich mich nicht beeile, gibt es noch einen Vorzeichenwechsel. Ich füge mich, denn mich zu wehren vermag ich beim besten Willen nicht mehr.
3 Uhr 31. Ich falle tot ins Bett.
3 Uhr 32. Es ist Lauras schätze ich, schließlich scheint sie im Dunkel herumzuschweben. Oder liegt sie neben mir? Sie redet. Redet sie? Doch, es ist ihre Stimme. Lauras Zimmer.
7 Uhr 30. Meine mobile Wundermaschine mit den vielen Macken feuert ihren ersten Event des neuen Tages – ein Wecker klingelt.
Irgendwann Uhr Später. Das Telefon triggert den zweiten Event: Aufgrund mangelnder Interaktionsbereitschaft seitens der humanoiden Akteure Klingeln einstellen.
9 Uhr 00. Ein weiterer Weckversuch wird gestartet.
9 Uhr 01. Ich werde munter und öffne meinen Schlafsack. Peter und Alexander durchstreifen noch Morpheus’ weites Reich.
9 Uhr 02. Vor dem Zelt steht Neil Tennant in Elton Johns Nikita-Outfit und reicht mir einen Schonkaffee.
9 Uhr 12. Neil und ich trällern lauthals Single-Bilingual, als ein Elch vorbeikommt und mitsingt. Peter und Alexander sind zu einem verkaterten Peter Alexander mutiert. Peter Alexander geht Espresso kaufen und raucht kubanische Zigarren.
9 Uhr 13. Der Elch singt schief, Neil ist verstimmt und geht.
9 Uhr 14. Der Elch singt nicht wirklich, doch kommen melodische Geräusche aus seinem Maul.
9 Uhr 15. Der Elch ist ein Wecker. Der Elch ist mein Wecker. Mein Wecker klingelt. Na bitte, wer sagt’s denn? Rätsel gelöst. So Elch, du darfst bitte gehen, Neil und ich waren nämlich noch nicht ganz fertig mit singen.
9 Uhr 16. Der Elch geht, das Klingeln bleibt. Ich drehe mich nach allen Seiten um. In einem Gebüsch hockt Neil und wippt zum Takt der Musik, sein Anzug leuchtet in der Morgensonne. Ich rufe ihn an, er redet, doch es klingt wie der Wecker.
9 Uhr 17. Frühsport à la Mimmelitt: Linkes Auge auf, linkes Auge zu; rechtes Auge auf, rechtes Auge zu; auf, zu, auf, zu; beide Augen auf, beide Augen zu; auf, zu, auf, zu. Tückische Täuschung! Neil ist weg, der Elch auch. Peter Alexander wird nicht mit Kaffee wiederkommen, er wird überhaupt nicht wiederkommen! Dafür liegt eine komatöse Frau neben mir. Beide Augen auf. Laura. Laura. Laura?! Laura. Ich werfe die Erinnerungsmaschine an, sie wirft mir ein paar Fetzen vor die Füsse, ich beuge mich äußerst vorsichtig nach unten und schaue mir die Polaroids der letzten Nacht an. Laura. Stimmt schon. Viertel zehn war das? Schon?! Alle Maschinen volle Kraft voraus!
9 Uhr 18. Volle Kraft fühlt sich anders an. Das ist eher Schonkaffee. Zwei weitere Polariods tun sich vor mir auf. Das eine mit vollen Flaschen, das andere voller Flaschen, aber leere. Das erklärt das Schonkaffeegefühl.
9 Uhr 42. Frisch geduscht, behutet und bebrillt steuere ich durchs Treppenhaus. Der Mensch unter der Wohnung ist munter. Jetzt schon? Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, seine Nacht war doch gezwungenermaßen nicht wesentlich länger als unsere. Berlin eben. Durch die Wohnungstür klingt ein Schlager. Wenn nichts mehr geht, eins geht immer, denkt sich die Disco Queen in mir, zieht die Rollschuhe an und legt los. Und dann die Hände zum Himmel und lasst uns fröh-lich sein! Mein Hirn wacht von den Tanzbewegungen des Alkohols auf. Ganz vorsichtig.
9 Uhr 43. Es dreht sich doch nochmal um. Naja, der Wille zählt.
9 Uhr 47. Der U-Bahnhof riecht wie sieben Toiletten rückwärts. Berlin Neukölln, Du hast mich wieder!
9 Uhr 48. Ich bekomme langsam ein Gefühl für meinen Schädel. Er braucht jetzt vor allem Ruhe und viel Platz. Ein Schonkaffee wäre schon schön, wird wohl aber nicht helfen. Das Blut im Alkohol versucht derweil, die Herrschaft an sich zu reissen, doch wird der dilletanitsch ausgeführte Putschversuch bereits im Ansatz vereitelt.
9 Uhr 51. Die U-Bahn fährt ein. Jaqueline, mache du die Affenmusik aus, tobt mein Schädel. Ich gebe ihm Bach und er ist’s zufrieden. Die Tür geht nicht ganz auf, ich muss meinen Kopf vorsichtig durch den Türspalt falten.
10 Uhr 06. Nahrung! Echt-Kaffee! Ich! In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, das Überraschungsmoment gekonnt genutzt, obsiegt das Blut über den Alkohol.
10 Uhr 07. Der Alkohol schlägt zurück. Ich vermittele einen Waffenstillstand samt Abrüstungsplan.
10 Uhr 09. Im Büro. Ich muss meine Sonnenbrille abnehmen, Paul schaut mich an und meint nur: You look worse than I feel.
10 Uhr 12. Mails checken, Soziale Netzwerke prüfen. Das Klopfen in meinem Kopf vermenschlicht sich. Es ist Neil! Ich setze die Kopfhörer auf… New york city boy / You’ll never have a bored day / cause you’re a new york city boy
Bedrohte Minderheiten. Heute: Die Jugend.
Man kann den 68-ern ja vorwerfen, was man will. Heute will ich ihnen auch einmal etwas vorwerfen. Nämlich, dass sie mit ihrem verhunzten Aufstand für die Vergreisung der deutschen Gesellschaft verantwortlich sind.
Das statistische Bundesamt hat vor zweieinhalb Jahren die Ergebnisse seiner 11. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung präsentiert. Aus den Grafiken lässt sich zum Beispiel herauslesen, dass sich der Anteil der über 35-jährigen seitdem kontinuierlich gesteigert hat. Waren die Alten während der letzten Revolution noch in der Unterzahl, so werden sie sich bis 2050 einen bequemen Vorsprung von gut 20% verschafft haben. Wenn 70% der Bevölkerung lieber in Ruhe Sportschau und Sturm der Liebe gucken wollen, lässt sich’s schwer revoluzzen. Naja, man könnte von 7 bis 13 Uhr und dann nochmal von 15 bis 22 Uhr. Das sind immerhin 11h Revolution am Tag und anschließend kann man noch eine Stunde beraten, um dann 8h zu schlafen und frisch, fromm, fröhlich, frei in den neuen Revolutionstag zu stürzen. Von 13 bis 15 Uhr gäbe es sogar Mittagspause und Halbzeit zugleich.
Sozial verträgliche Revolutionen! Das wird der neue deutsche Exportschlager!
Okay. Ich nehme, alles zurück: Danke, liebe 68-er. Durch Euer beherztes Aufbegehren werden wir Jungen zwar in die demographische Defensive gedrängt, doch wenn wir dies als Chance und nicht als Problem begreifen, können wir revoluzzen ohne die staatliche Ordnung zu gefährden und dieses revolutionäre Revolutionsprinzip in die Welt exportieren, um davon die Renten Eurer Kinder zu bezahlen und Euch zu gefallen.
Gut. Ich bemerke gerade, dass ich demographisch gerade noch so in die gerade erwähnte Generation hineinfalle. Andererseits aber auch wieder nicht. Eigentlich bin ich auch ein Kind der Praktikums- und Krisengeneration. Das sind die Menschen, die trotz multipler Auslandsaufenthalte, Qualifikationen und Fremdsprachen nur an Praktika geraten. Das ist das Prinzip, was zwar allgemein durch Lippenbekenntnisse verschmäht wird, aber weiterhin gängige Praxis ist. Euer Prinzip. Ein Weiteres ist, uns von Kindesbeinen an die Angst vor dem Aufmucken einzubläuen, weil nur Duckmäuser Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Das war sehr clever von Euch. Macht nur so weiter und Ihr werdet Euch eine Generation williger Rentenleistungerbringungsaffen heranzüchten, die für Euch tanzt, während Ihr von individueller Freiheit, Bürgerrechten und demokratischen Prinzipien schwadroniert. Dann könnt Ihr Euch jeden Morgen im Aufenthaltsraum Eures Pflegeheimes treffen und gemeinsam diese Jugend von heute begaffen, die sich auf der Straße darum prügelt, die Gebisse von 150 alten Menschen putzen zu dürfen. Für ein Mittagessen, versteht sich. Der Rest muss an Euch gehen, ihr seid ja schließlich die pflegebedürftige Mehrheit und wir leben in einer solidarischen Gemeinschaft. Mit Euern statistischen 1,4 Kindern seid Ihr alle Eltern.
Wisst Ihr, was Ihr eigentlich verdient hättet? Dass sich die heutige Jugend als Minderheit begreift, sich zusammenrottet, Minderheitenschutz beantragt und Euch bei dieser Gelegenheit ins Gesicht sagt, was ihr an Eurem System nicht passt:
Entweder Zukunftsjobs oder Schluss mit lustig.
Entweder Ihr macht hier mal wirklich was oder wir werden Eure Rente nicht zahlen.
Entweder alle hören auf, unsere Planeten zu terminieren, anstatt nur davon zu reden oder wir bringen die Zukunft zu Ende.
Denn eins ist mal klar: Wenn’s auf dem Planeten kuschelig warm sein wird und Eure dämlichen Atomfässer im Salzschacht fleißig vor sich hinbrodeln, werdet Ihr nicht mehr anwesend sein.
Wir aber schon.
Meint ihr allen Ernstes, wir haben Lust darauf?
Meint Ihr allen Ernstes, wir würden das Gleiche machen wie Ihr – Kinder in eine verrottende Welt setzen und hoffen, dass es denen einmal besser gehen wird, obwohl wir doch alle längst wissen, dass das nicht der Wahrheit entspricht – und den zweifelhaften Mut aufbringen, diesen – unseren – Kindern diese Lebenslüge der Gesellschaft ins Hirn zu pflanzen?
Gebt uns Jobs und bezahlt uns anständig, sonst ist sozialer Frieden etwas, wovon Ihr träumen könnt, wenn wir Euch lassen.
Obwohl: Ein Aufstand der Jugend gegen das Alter muss fehlschlagen, weil die Kommunikationsebenen andere sind. Die Jugend argumentiert und handelt eher emotional, während das Alter eher (pseudo-) sachlich spricht.
Nun. Das können wir auch.
Wenn wir wollen.
Wollen wir aber nicht.
Aber wenn wir wollten, ginge das höchstwahrscheinlich so: Wir sagen Euch einfach ganz in Ruhe wie wir uns das vorstellen und präsentieren Euch einen neuen Gesellschaftsvertrag. Falls Ihr den ablehnt, werden wir uns umdrehen und Euch ignorieren. Und die Rentenkasse mit unseren frischgezeugten Kindern plündern. Ha!
Zäsuren.
Mein Neffe ist beim Bund. Gerade lief er noch mit seiner viel zu großen Brille fröhlich lachend durch die Wohnung und plötzlich trägt er eine Uniform. Wo ist nur die Zeit geblieben? Ihn gehen zu sehen ist schon seltsam. Vor mittlerweile einem Jahrzehnt war ich es, der zum Dienst ging. Und jetzt Robert. Damals war er gerade erst aufs Gymnasium gekommen, mittlerweile hat er sein Abitur.
Irgendwie ist es schizophren: Seit Generationen schickt meine Familie ihre Söhne zur Armee. Inzwischen ist er die dritte Generation, die mit Sicherheit auch wiederkommt. Wir gehen ohne großes Nachdenken. Wir gehen, leisten unseren Pflichtdienst und verschwinden wieder. Und doch verurteilen wir deutsche Kriegseinsätze. Das Nachdenken ist auch von zwei Seiten her blockiert. Einerseits wird über einen längeren Dienst nicht wirklich nachgedacht, weil das Auslandseinsätze mit sich führen würde. Andererseits fragen wir uns nicht, was mit dem Grundwehrdienst eigentlich verbunden ist, nämlich die prinzipielle Anerkennung der Notwendigkeit einer Armee, deren eigentlicher Sinn der Angriff und nicht die Verteidigung ist. Wären alle Armeen nur auf Defensive aus, würde sich das Konzept von selbst erledigen.
Wie dem auch sei, mit Roberts Eintritt in die Bundeswehr geht auch etwas zu Ende. Er geht und kommt wieder. Doch er geht und kommt als ein anderer. Diese Veränderung sehen wir nur aus der Ferne, nur in den Momentaufnahmen. Er ist dem Einfluss der Familie entzogen worden, steht zum ersten Mal völlig allein in einem fremden Umfeld und muss sich behaupten. Dass er das meistern wird, steht außer Frage. Und dennoch – wir als seine Familie sind nicht da, um ihm zu helfen. Er muss es ganz allein schaffen. Dieses Loslassen ist das bittersüße in der Freude über seine Selbstständigkeit.
Gestern telefonierte ich mit meinem Bruder, der ihn in die Kaserne brachte. Er war gerade auf dem Heimweg. «Alles Scheiße», meinte er. Ihm fällt es auch nicht leicht, seinen Jungen gehen zu sehen. Aber beide wissen wir, dass dieser Schritt notwendig ist – in Roberts Interesse. Beide haben wir das Gleiche erfahren. Und trotzdem.
Schließlich huscht mir noch ein kleines Lächeln übers Gesicht. Ich freue mich schon auf das erste Wiedersehen mit Robert. Wir werden bei meinen Eltern im Garten sitzen, grillen und Bier trinken. Die alten Hasen unter uns werden erzählen, dass früher alles viel härter war und er sich glücklich schätzen kann, dass er in diesen Zeiten dienen darf. Danach packen wir unsere Dienstgrade aus und norden den Gefreiten in spe erst einmal ein. Zwar sind die Schulterstücke aller vor mir längst passé, denn inzwischen bin ich der Einzige, auf den sich der Ernstfall einer Generalmobilmachung auswirken könnte, aber das zählt in diesem Augenblick nicht. Schließlich haben wir alle längere Dienstzeiten als er. Nun wird er seine neuesten Geschichten über StUffze und Uffze und OGs und HGs und die Fähnriche und Fahnenjunker auspacken. Wir werden sie gnädig anhören, dabei genüsslich unser Gerstenbrot trinken und anschließend spenden wir ihm Trost und Stärke, indem jeder seine eigenen Geschichten auf den Tisch legt. Genau dieser Augenblick ist etwas eigenartiges: In diesem Moment verbrüdern wir uns nicht als Väter, Brüder und Söhne sondern als Kameraden. Eigentlich geht es dabei darum, Robert in den Kreis der Männer der Familie aufzunehmen – und Feststellung der Hierarchie ist dabei wichtig. Das interessante dabei ist allerdings, dass dies über einen außerfamiliären Zusammenhang geschieht.
Genau jetzt muss ich über dieses zukünftige Treffen schmunzeln. «Mensch, woher kommt Dir das nur bekannt vor?» Und da fällt es mit ein «Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.» Heinrich Mann: Der Untertan. Ach ja, die gute alte Kaiserzeit. Damals war es Sedan 1870, davor waren es die 48er und davor die Teilnehmer der Völkerschlacht. Heute zählen nicht die geschlagenen Schlachten, sondern wieviel Zeit jemand zum Antreten in Kampfmontur hatte oder welche Ereignisse es während der Wachdienste gab. Das Prinzip ist dasselbe, die Geschichten sind andere.
Die Iraner web2.0-mäßig unterstützen…
…ist eigentlich recht einfach: Ein Konto bei twitter eröffnen und in den Profileinstellungen die Zeitzone auf GMT+3.30 sowie den Ort auf Teheran einstellen.
Der Grund: Die iranischen Sicherheitskräfte durchforsten derzeit die Twitter-Sphäre nach Landsleuten. Je mehr dieser iranischen Falschkonten entstehen, umso geringer wird die Zahl der echten Treffer. So kann man ihnen ein bisschen zusätzliche Arbeit aufhalsen und vielleicht den einen oder anderen Twitterer ein wenig decken.
Also: Mitmachen & Weitersagen!
Das muss jetzt einfach mal gesagt werden!
Was das Netz bringt, wird immer klarer. Neue Ausdrucksformen für hobbymäßige Schreiberlinge wie mich (blogs), für semiprofessionelle Videokünstler (youtube), für Wohnzimmernachrichtenticker (twitter), für Vergessliche gibt es selbstaktualisierende Adressbücher und Geburtstagserinnerer (social networks) sowie allgemeine Erinnerungshelfer (social bookmarking).
Einzeln betrachtet sind diese Sachen schon recht spannend. So richtig spannend wird die Sache aber erst, wenn sie miteinander verknüpft werden. Was auf der Anbieterseite bereits geschieht. Denkt sich ein Nutzer aber nun: “Wenn die das können, kann ich das auch!”, so wird es schwer.
Nachdem ich meine anfängliche Twitter-Abneigung überwunden hatte, fand ich in diesem Tool eine wunderbare Möglichkeit halbnützliche Links zu verteilen. Bisher hatte ich ein Rudel von Leuten, die so etwas über Skype zugeschickt bekamen. An und ab. Das ist dann aber wieder so eine Sache: Manche schauen es sich nicht an, andere hingegen schon und wieder andere wehren sich dann vehement dagegen. Es ist ihnen zu viel. Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, die Links, die mir am Tag über die Füße gefallen sind, abends in einem Artikel zu posten. Das geht aber mit meinem Tagesrhythmus nicht. Also wöchtentlich. Hui. Das wäre ganz schön viel. Also verwerfe ich den Gedanken und versuche es einmal mit Twitter. Das geht recht gut: Man findet einen Link, setzt noch eine Zeile Text dazu und schickt die Sache weiter. Doch es wird noch besser: Weil die Zeitungen, die man online liest, ihre Nachrichten auch twittern, braucht man keinen RSS-Feed mehr zu abonnieren und muss die Links nicht mehr via copy&paste in Skypefenster transformieren, muss keine Leute bestimmen, die das erhalten sollen, in der Hoffnung es nicht falsch zu treffen und danach wieder zeitverschlingende Diskussionen vom Zaun zu brechen. Nein! Ein Klick, ein Enter und schon ist ein Posting fertig. Und jeder, der will, kann es sich ansehen. Niemand ist gezwungen. Toll! (Und ich lache wieder einmal über mich selbst, weil ich den neophoben Trendsettern mal wieder auf den Leim gegangen bin)
Seit einer Weile ist mir klar, dass die Verknüpfung der ganzen Technologien ihr ureigenstes Ziel ist, denn jede dieser Anwendungen ist auf zwei Sachen aus, nämlich Leute zusammen zu bringen und Informationen auszutauschen. Aber wie fange ich das an?
Nun, zunächst die blogs:
Ich bastele mir ein eigenes blog, das seine Informationen von meinen blogs und meinem delicious-Konto erhält. (Wozu social bookmarking, wenn keiner davon erfährt?) Nagut, ich aggregiere von weiteren blogs aus meiner direkten Umgebung, allerdings wird die Herkunft nie verschwiegen. Das wiederum lasse ich von Facebook einsaugen. Wenn andere social networks so clever wären, würde ich das auch dort machen. Außerdem bekommt Twitter eine Information über neue Postings auf diesem Aggregator und verkündet automatisiert davon.
Jetzt die Instant-Messenger und die social networks:
Beim Twittern selbst habe ich ein weiteres Problem für mich gelöst, dass mir seid einer Weile nun schon sauer aufstieß: Nicht nur die Informationen sind völlig verteilt, die Menschen selbst sind es auch. Einen Teil kenne ich im XING, andere im Skype oder im facebook, im google-Universum oder über twitter. Woher soll ich also wissen, welche Information für wen von Relevanz sein kann? Das geht bewi 200-300 Menschen nicht mehr. Dann wäre ich nur noch am Kommunizieren und hätte kaum die Möglichkeit, von selbst neue Eindrücke zu bekommen. Also schalte ich vor Twitter noch ping.fm. Das sorgt nicht nur dafür, dass lange URLs verkürzt werden, sondern verteilt den Status an Twitter, all meine Instant-Messenger und Facebook.
Für mich ist damit das Ziel erreicht: Ich poste von einer Stelle aus alles halb-relevante und es wird breit verteilt. Bei den blogs ist es ähnlich, allerdings entscheidet das Thema über den ursprünglichen Entstehungsort.
Ich lebe entspannter als zu vor: Ich deinstalliere meine Facebook-Toolbar, denn der Status aktualisiert sich von selbst. Ich bin viel weniger häufig in den sozialen Netzen und vergeude ergo weniger Zeit. Jedoch sind die es tun umso erregter: Zu viele Informationen. Nun, jeder sollte inzwischen seine eigene Strategie entwickelt haben, mit der tagtäglichen Informationsflut umzugehen. Seltsam ist es dann aber wenn die Leute, die sich über zu viele Informationen mit Sätzen wie “Arbeitst Du überhaupt” beschweren, zum sinnfreien Diskutieren über die Tatsache, dass ich es tue, mehr als genügend Zeit finden. Und das nur Minuten nach der Veröffentlichtung. Über Tage hinweg.
<sarkasmus>
Ich erkenne soeben, wieviel Schuld auf mir lastet: In dem Versuch, Informationsangebote zu unterbreiten und dabei gleichzeitig meinen Zeitverlust zu minimieren, habe ich Leute dazu genötigt, Teile ihrer Arbeitszeit aufzubringen, mich dafür zu kritisieren. Denn habe für einen Moment vergessen, wer ich bin: Der Ursupator Eures Willens!
</sarkasmus>
Das Tageswerk, es ist vollbracht…
Auf dem Plan stand für heute: «Referat für Mittwoch machen». Bis jetzt habe ich folgendes dafür getan: Gliederung und Powerpoint-Layout. Inhalte werden eh überbewertet….
Dafür war ich sehr erfolgreich im Netz unterwegs. Außerdem habe ich tolle Sachen auf arte gesehen. Ursprünglich wollte ich im Netz nach «Erdöl, Brot und Korruption» suchen,warum weiß ich jetzt nicht mehr. Doch: Ich finde, dass das ein wichtiger Film ist und wollte mir seine Adresse merken. Leider war das Video nicht mehr auf Arte+7 zu finden. (Was nicht weiter verwunderlich ist, schließlich sind die sieben Tage längst vorbei). Glücklicherweise hat google video noch eine Kopie: http://video.google.com/videoplay?docid=1360370023406213265
Okay. Das hatte ich also gefunden. Nun war mir langweilig. Ich schaltete den Fernseher ein. Nach einer halben Folge Futurama musste ich erneut feststellen, dass das Fernsehangebot unterirdischst ist. Doch dann stolperte ich beim zappen über «Kigali – Bilder gegen ein Massaker». Eine grandiose weil erschütternde Dokumentation über den mehr als zynischen Umgang der Welt mit dem Völkermord in Ruanda 1994. Interessanterweise ist Bernard Kouchner jetzt französischer Außenminister und hat den von ihm geschaffenen Posten des Staatssekretärs für Menschenrechte wieder abgeschafft. Was dabei verwundert ist eigentlich nur, dass er ihn überhaupt geschaffen hat.
Zwischendurch beschloss ich, mit dem Twittern zu beginnen.
Nachdem ich das durch hatte, fing ein Spielfilm an, der mich in seiner Art ebenso fesselte: «Vom atmen unter Wasser». Nah, intensiv und doch befremdend. Aber menschlich, ehrlich und schön. Die Geschichte ist kurz erzählt: Eine deutsche Bilderbuchfamilie zerbricht: Die Tochter wird mit 16 Jahre ermordet. Ein Jahr später versucht die Mutter, sich das Leben zu nehmen. Vater hat inzwischen eine heimliche Neue und der Sohn kommt mit der besten Freundin seiner toten Schwester zusammen. Nach und nach bricht all das ungesagt schwelende auf und reißt die Familie auseinander.
Tja und dann habe ich ein paar tolle Webseiten gefunden. Zum einen diese hier, die eine Kampagne beschreibt, die unter einem Zitat George Orwells läuft: History is written by the winners (die Gesichte wird von den Gewinnern geschrieben). Grandios. Danach noch zwei blogs zum Thema Werbung, nämlich das hier und jenes dort. Eine Sache, die mich auch schon seit einer Weile interessiert: Über Werbung schreiben. Kann man nicht Werbekritiker sein? Werbung ist doch auch Kunst, oder? Über ein anderes blog kam ich auf www.idoidea.co.za. Sieht schon ein bisschen weird aus, aber ein interessanter Versuch. Dann fand ich «Herman Manson’s Blog» und einen langen Artikel über Web2.0. Manson ist der Ansicht, dass Facebook nicht zum web2.0 gehört. Ist ein interessanter Ansatz, der mir bislang so nicht bewusst war, aber da ist was dran. Tja, man vergisst so schnell, mit welchem Anspruch web2.0 eigentlich angetreten ist. Schließlich wurde ich noch auf eine weitere Seite aufmerksam. Das ist ein südafrikanischer Anbieter, der wohl ein WordPress soweit aufgebohrt hat, dass es ein massenfertiges CMS für die eigene Webseite ist. Großartig!
Schlussendlich ist mir gerade aufgefallen, dass die Seite mit der Zitat-von-Orwell-Kampagne und Herman Manson eng zusammengehören – Manson ist Herausgeber des blogs und Autor des Artikels. Außerdem ist MarkLives! ein Medienmagazin aus Südafrika, dessen erste Ausgabe man hier sehen kann.





