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Zäsuren.

marcus 2. Juli 2009

Mein Neffe ist beim Bund. Gerade lief er noch mit seiner viel zu großen Brille fröhlich lachend durch die Wohnung und plötzlich trägt er eine Uniform. Wo ist nur die Zeit geblieben? Ihn gehen zu sehen ist schon seltsam. Vor mittlerweile einem Jahrzehnt war ich es, der zum Dienst ging. Und jetzt Robert. Damals war er gerade erst aufs Gymnasium gekommen, mittlerweile hat er sein Abitur.

Irgendwie ist es schizophren: Seit Generationen schickt meine Familie ihre Söhne zur Armee. Inzwischen ist er die dritte Generation, die mit Sicherheit auch wiederkommt. Wir gehen ohne großes Nachdenken. Wir gehen, leisten unseren Pflichtdienst und verschwinden wieder. Und doch verurteilen wir deutsche Kriegseinsätze. Das Nachdenken ist auch von zwei Seiten her blockiert. Einerseits wird über einen längeren Dienst nicht wirklich nachgedacht, weil das Auslandseinsätze mit sich führen würde. Andererseits fragen wir uns nicht, was mit dem Grundwehrdienst eigentlich verbunden ist, nämlich die prinzipielle Anerkennung der Notwendigkeit einer Armee, deren eigentlicher Sinn der Angriff und nicht die Verteidigung ist. Wären alle Armeen nur auf Defensive aus, würde sich das Konzept von selbst erledigen.

Wie dem auch sei, mit Roberts Eintritt in die Bundeswehr geht auch etwas zu Ende. Er geht und kommt wieder. Doch er geht und kommt als ein anderer. Diese Veränderung sehen wir nur aus der Ferne, nur in den Momentaufnahmen. Er ist dem Einfluss der Familie entzogen worden, steht zum ersten Mal völlig allein in einem fremden Umfeld und muss sich behaupten. Dass er das meistern wird, steht außer Frage. Und dennoch – wir als seine Familie sind nicht da, um ihm zu helfen. Er muss es ganz allein schaffen. Dieses Loslassen ist das bittersüße in der Freude über seine Selbstständigkeit.

Gestern telefonierte ich mit meinem Bruder, der ihn in die Kaserne brachte. Er war gerade auf dem Heimweg. «Alles Scheiße», meinte er. Ihm fällt es auch nicht leicht, seinen Jungen gehen zu sehen. Aber beide wissen wir, dass dieser Schritt notwendig ist – in Roberts Interesse. Beide haben wir das Gleiche erfahren. Und trotzdem.

Schließlich huscht mir noch ein kleines Lächeln übers Gesicht. Ich freue mich schon auf das erste Wiedersehen mit Robert. Wir werden bei meinen Eltern im Garten sitzen, grillen und Bier trinken. Die alten Hasen unter uns werden erzählen, dass früher alles viel härter war und er sich glücklich schätzen kann, dass er in diesen Zeiten dienen darf. Danach packen wir unsere Dienstgrade aus und norden den Gefreiten in spe erst einmal ein. Zwar sind die Schulterstücke aller vor mir längst passé, denn inzwischen bin ich der Einzige, auf den sich der Ernstfall einer Generalmobilmachung auswirken könnte, aber das zählt in diesem Augenblick nicht. Schließlich haben wir alle längere Dienstzeiten als er.  Nun wird er seine neuesten Geschichten über StUffze und Uffze und OGs und HGs und die Fähnriche und Fahnenjunker auspacken. Wir werden sie gnädig anhören, dabei genüsslich unser Gerstenbrot trinken und anschließend spenden wir ihm Trost und Stärke, indem jeder seine eigenen Geschichten auf den Tisch legt. Genau dieser Augenblick ist etwas eigenartiges: In diesem Moment verbrüdern wir uns nicht als Väter, Brüder und Söhne sondern als Kameraden. Eigentlich geht es dabei darum, Robert in den Kreis der Männer der Familie aufzunehmen – und Feststellung der Hierarchie ist dabei wichtig. Das interessante dabei ist allerdings, dass dies über einen außerfamiliären Zusammenhang geschieht.

Genau jetzt muss ich über dieses zukünftige Treffen schmunzeln. «Mensch, woher kommt Dir das nur bekannt vor?» Und da fällt es mit ein «Diederich Heßling war ein weiches Kind, das am liebsten träumte, sich vor allem fürchtete und viel an den Ohren litt.» Heinrich Mann: Der Untertan. Ach ja, die gute alte Kaiserzeit. Damals war es Sedan 1870, davor waren es die 48er und davor die Teilnehmer der Völkerschlacht. Heute zählen nicht die geschlagenen Schlachten, sondern wieviel Zeit jemand zum Antreten in Kampfmontur hatte oder welche Ereignisse es während der Wachdienste gab. Das Prinzip ist dasselbe, die Geschichten sind andere.

Michael Jackson stirbt und das Internet bricht zusammen.

marcus 28. Juni 2009

Ist doch völlig logisch, oder?

Nicht? Doch. Und zwar weil:

Web2.0 hat aus dem Informierungsdrang der Menschheit vielerorts bereits einen Zwang entstehen lassen.  Mit den entsprechenden Repressalien auf allen Kommunikationskanälen. Ich habe Dir vor einer Stunde eine Mail geschrieben, warum antwortest Du nicht? oder noch besser Ich habe Dich angerufen, aber Du bist nicht rangegangen. Vielleicht will ich einfach nicht? Egal. Halten wir einfach fest, dass Menschen jetzt, wo sie kommunizieren können, glauben, sie müssten kommunizieren. Denn das Konzept von Sender->Botschaft->Empfänger funktioniert nur, wenn der Empfänger auch empfängt.

Mit diesem gehen wir einen Schritt weiter: Das Internet das weltweite Kondolenzbuch. Seit Michael Jackson gestorben ist. Genauer gesagt liegt es an Twitter. Die sind der ganzen Sache noch nicht gewachsen. Twitter hatte eine Verdopplung der sekündlichen Nachrichten zu verkraften. Das ist jetzt nicht wenig. (Nagut, man könnte jetzt sagen, mit einem cleveren EC2-Konzept hätte man entgegenwirken können.) Doch nicht nur Twitter hatte zu tun. AIM war für 40 Minuten einfach tot und der  Alles-von-Michael-Jackson-Kanal bei AOL Radio hatte mal locker flockig 28.471% mehr Zugriffe. In Worten: Achtundzwanzigtausendvierhunderteinundsiebzig. Da hilft das beste Konzept nichts. Da ist es einfach nur vorbei.

Aber das Internat ist nicht nur Kummerkasten. Es ist auch die weltweite Welterklärmaschine. Seit der Patrick-Swayze-Panne ist man vorsichtig geworden, per Gerücht Menschen für tot zu erklären. Doch in den Minuten der Ungewissheit und des Wartens fragt man das Netz natürlich häufiger. CNET hat sich eine Grafik dafür besorgt. Bei wikipedia stritt man sich höchst offiziell, ob und wie und wann man denn nun schreiben darf, dass der Mensch tot ist. Die Webseiten der Zeitungen und Fernsehstationen waren entweder unwahrscheinlich langsam oder schlicht und ergreifend weg. Auch hierzu hat CNET einen schönen Artikel.

Selbst google war der Sache nicht gewachsen. Aufgrund des sprunghaften Anstieges des Datenaufkommens hat sich die google-Maschine entschlossen, das als Angriff zu werten und in den entsprechenden Selbstschutz-Modus zu gehen (Offenbar gibt es sowas. Toll, oder?). Damit war ein großer Teil der Webseiten zum Thema verdächtig.

In Los Angeles stirbt ein Mensch und die ganze Welt dreht völlig frei. Schmetterlingseffekt?

Ich bin gegen den Bildungsstreik, weil

marcus 14. Juni 2009

Vorbemerkung.

Vom 12.-19.6. 2009 wird ein bundesweiter Bildungsstreik stattfinden. Dabei sollen Studenten und Schüler gemeinsam auf die Straße gehen, um eine Debatte über Soll-Zustände des Bildungssystems zu initiieren.

Ich habe für mich selbst einige Zeit geschwiegen. Ich habe mich mit den Forderungen der Studierenden lange und durchaus intensiv auseinandergesetzt. Und ich habe gezögert, meine Meinung (wenn auch in diesem kleinen Rahmen) zu veröffentlichen. Doch letztlich habe ich erkannt, dass es notwendig ist, sich kritisch mit dem Streik auseinanderzusetzen, um bereits vorher zu wissen, welches Geschirr am Ende der kommenden Woche zerbrochen sein wird. Ich weiß, dass man in dieser Situation besser ruhig sein und nichts sagen soll, anstelle aus den eigenen Reihen heraus Verrat zu üben. Ich tue es dennoch. Einerseits, weil ich festgestellt habe, dass es Mitstudenten von mir ähnlich geht, ihnen aber Hintergründe und Zusammenhänge fehlen. Andererseits, weil mir die Art und Weise des Streikes, seine Zielsetzung und Auswirkungen wirklich an sie Substanz gehen. Und – diese vermessene Hoffnung habe ich auch – sich vielleicht ein einzelner Journalist auf diese Seite verirrt und die eine oder andere Idee für eine Frage an die Studierenden erhält.

Der Streik an sich

Ein Studentenstreik ist die Ultima Ratio der Werkzeuge der Vertreter der Studierendenschaften. Das hat drei wesentliche Gründe. Erstens müssen sich die Asten und Stupen eingestehen, dass sie aus eigener Kraft nicht weiterkommen. Zweitens sind Studenten zum Studieren an den Hochschulen. Wenn sie also ihre Tätigkeit unterbrechen und damit ihr Studium potentiell gefährden, muss es schon etwas äußerst Wichtiges sein. Daher sollten die Vertreter mit diesem Gut höchst behutsam und sorgfältig umgehen. Drittens ist eine streikende Studierendenschaft kaum zu kontrollieren. Kontrolle aber ist ein Grundbaustein eines erfolgreichen Streiks.

Den ersten Punkt haben die Studierendenschaftsvertreter offenbar schon hinter sich. Denn indem sie ihre Studenten versammeln und zum Streik aufrufen, zeigen sie, dass all ihre bisherigen Anstrengungen gescheitert sind. Also jeder Versuch, in die Hochschulgremien zu wirken, jede Verhandlung mit den zuständigen Ministerien, jedes Gespräch mit den Bildungspolitikern des Landtages und jeder Versuch, sich in der Medienöffentlichkeit Gehör zu verschaffen.

Mit dem zweiten Punkt werde ich mich später detaillierter auseinandersetzen; für jetzt sei aber gesagt, dass die Bildungskrise nichts Neues ist. (Das Bildungssystem in Deutschland ist eine Krise.)

Drittens muss man als Studierendenschaftsvertreter davon ausgehen, dass seine Studenten nicht so sehr mit der Materie vertraut sind, wie das ein hochschulpolitischer Referent oder ein AStA-Chef etwa ist. Es ist also notwendig, seine Informationen zu sammeln, zu sortieren, zu entkomplizieren, danach Lektion für Lektion an die Studenten zu verteilen und alles so oft zu erklären, bis es der Letzte wirklich verstanden hat. Was „es“ ist? Die Geschichte, wie es dazu gekommen ist; die Akteure; die Interessen; wer welches Spiel spielt; wie unsere Strategie aussieht; warum sie so aussieht; was unsere derzeitige Position ist; warum sie so ist, wie sie ist; kurz: Alles, aber häppchenweise. Tut man das nicht sorgfältig genug, werden die Studenten mit komplexen Zusammenhängen überfrachtet und wenden sich ab. Oder sie missverstehen ihre Vertreter und sagen falsche Dinge. Schlimmer noch: sie könnten sich radikalisieren und Dinge tun, die man als Vertreter aller Studenten unmöglich tolerieren kann. Damit wäre jedwede Auswirkung des Streiks gleich Null.

Im Zeitpunkt des Streiks spiegelt sich auch das Verständnis der Vertreter über die Vertretenen wider. Keiner erklärt, warum gerade diese Woche gewählt wurde. In dieser Woche liegt immerhin der 17. Juni. Warum nicht die Woche davor oder die Woche danach? Warum gerade jetzt? Welche Botschaft verbirgt sich hinter dem Datum? Hat das Datum überhaupt eine Bedeutung?

Keiner erklärt, welche inhaltliche politische Arbeit dem Streik vorausgegangen ist. Es werden nur Streikaufrufe verteilt. Auch die Forderungsliste findet sich nur im Internet. Wenn die Studenten nicht gebrieft werden – und je mehr es sind, umso länger dauert so etwas – können sie nicht in dem dafür notwendigen Maße auf die Fragen der Journalisten antworten. Dann werden Situationen entstehen, die an den Schülerstreik im November erinnern.

Meiner Ansicht nach zeugt es von herbem Misstrauen der Vertreter gegenüber den Vertretenen, wenn sie sich auf einen Termin mit Wärmewahrscheinlichkeit festlegen. Diesem Misstrauen liegt ein Fehlschluss zu Grunde: Die sind eh alle unpolitisch und nicht zu motivieren. Wenn die Inhalte stimmen und wenn die Studenten wissen, warum sie für welches Ziel kämpfen, dann werden sie das auch tun. Aber dazu müssen die Studenten als Partner akzeptiert und behandelt werden und nicht als eine rufbereite dröge Masse von Mitläufern, deren Hauptzweck es ist, als Requisite für die Medienberichterstattung zu dienen.

Was aber wird dieser Streik erreichen? Nun, es wird die ganze Woche über berichtet werden. Vielleicht werden Teile der Linken, der SPD oder der Grünen das Thema aufnehmen und Wahlkampf damit betreiben. Das war’s dann auch schon.

Warum? Weil das Selbstverständnis der Studierendenvertreter recht einfach zu zeichnen ist: Der Staat soll es machen. Deshalb beschweren sie sich auch beim Staat. Deshalb fordern sie auch vom Staat. Aber der Staat ist nicht der Empfänger ihrer Botschaften. Sie wollen eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anregen. Um überhaupt zu solche einer Diskussion zu kommen, müssen Informationen her. Informationen fehlen aber. Dafür gibt es Forderungen.  Das ist auch gut, aber nicht das Richtige. Hinzu kommt, dass die Hochschule selbst nach Autonomie gerufen haben und ergo ein Teil der Forderungen von den Hochschulen selbst zu erledigen ist. Für wen die Forderungen bestimmt sind, lässt sich allerdings nicht erkennen. Leider.

Ich muss noch das Folgende erklären, weil ich denke, dass ich sonst missverstanden werden könnte: Das prinzipielle Anliegen des Streiks ist nicht falsch. Die Herangehensweise ist es. Ein Streik funktioniert nur, wenn die Vertreter ihren Studenten erklären, was der Stand der Sache ist, wo sie in welchen Verhandlungen stecken und warum sie die Unterstützung ihrer Studenten benötigen. Ein Konzept also. Denn ein Streik hilft den gewählten Helfern, wenn die Studenten hinter ihren Vertretern stehen und dem Gegenüber damit klarmachen: Ihr solltet wirklich mit denen reden, denn was sie sagen, sagen wir alle auch.

Zu den Forderungen

Dieser Abschnitt wird etwas weniger trocken, dafür aber polemischer. Das liegt aber in der Natur der Forderungen. Die Adressaten meiner Kommentare auf die Forderungen sind ganz klar deren Verursacher.

Soziale Öffnung der Hochschulen

den Abbau von Zulassungsbeschränkungen durch den Ausbau von Studienplätzen!

Okay. Ihr wollt also allen ernstes zum Finanzminister Eures Vertrauens gehen, die Hand aufhalten und sagen: „Lieber Finanzminister, wir wollen eine siebenstellige Summe X von Dir, weil wir der Ansicht sind, dass jeder, auch jemand, der absolut keinen Zugang zu Naturwissenschaften hat, Quantenphysik studieren können sollte.“

Ihr führt damit das Leistungsprinzip in der Schule ad absurdum, nur dass Euch das klar ist. Ihr belohnt die Faulen und bestraft die Fleißigen.

die Abschaffung von Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung!

Aha. Das ist gut. Nein im Ernst. Ich habe nur eine Frage: Wie wollt Ihr das fiskalisch abfedern?

Das wir uns nicht falsch verstehen: Studiengebühren gehören abgeschafft. Jedenfalls dort, wo sie eingeführt worden sind. Und sie gehören auch nicht eingeführt. Das ist allgemeiner Konsens. Nicht nur, weil das die Studenten unsinnig hoch belastet und unsozial ist, sondern weil sie nur eine Wirkung zeigen: Der Staat zieht sich weiter aus der Verantwortung. Nein. Nicht der Staat: Das Land.

Aber Semestergebühren und so bleiben, oder wie oder was? Die 250€ hier in Berlin sind ja nun auch kein Pappenstiel.

die finanzielle Unabhängigkeit der Studierenden – ohne Kredite!

Oh. Finanzen! Also wieder zurück ins Finanzministerium, rasch an die Tür vom Chef geklopft und hinein in die gute Stube. Wieder haltet ihr die Hand auf und dann sagt ihr: „Lieber Finanzminister, wir sind Studenten, wir haben es verdient, finanziell unabhängig zu sein und deswegen fordern wir das von Dir.“ Da sagt der Finanzminister zu Euch: „Na klar, Ihr habt völlig Recht.“, nimmt sich ein Blatt Papier, einen Stift und schreibt: „Hiermit verfüge ich, dass alle in unserem Bundesland Studierenden finanziell unabhängig sind.“ Damit das besser ankommt, geht er zu seinem Chef und lässt das auch von ihm unterschreiben. So. Nun seid Ihr finanziell unabhängig. Und nun?

Wieviel ist „finanzielle Unabhängigkeit“ im Monat? 600€? 800€? 1.000€? 1.500€? Was ist überhaupt dann mit den Lehrlingen? Bekommen die dann den gleichen Satz? Oder weniger, weil ihnen ja der Meister etwas zahlt? Oder haben die dann mehr? Ändert sich dann etwas am Krankenkassenbeitrag? Ist da ein Rentenbeitrag mit drin? Und Praktika sind dann ab sofort für lau. Oder ihr verdient etwas und bekommt dafür entsprechend weniger Geld. Wer soll das eigentlich zahlen?

Klar wäre das toll, aber das wird keiner machen. Das wird völlig verworfen.

Allerdings könnte die Politik (und die sprecht Ihr ja an) das Blatt auch mal lockerleicht umdrehen und fett die Bedingungen diktieren. So von wegen Regelstudienzeit und wozu das Geld auszugeben ist. Und wie ihr wisst, waren die Jungs und Mädels in den Ministerien bei der Berechnung der Hartz-IV-Sätze ziemlich kreativ. Das blüht Euch dann mit Sicherheit. Das machen die im freiwilligen Testbetrieb über 3 Jahre hinweg und legen die Bedingungen so, dass es nach 3 Jahren mangels Akzeptanz eingestellt wird.

die Abschaffung jeglicher Diskriminierung, auch in ihrer institutionalisierten Form gegenüber ausländischen Studierenden!

Aha. Jegliche Diskriminierung. Klar. Wo lebt ihr denn bitte? Die institutionalisierte Diskriminierung, darüber kann man ja reden. Was meint Ihr eigentlich damit? Dass Formulare in deutschen Universitäten nur auf Deutsch verfügbar sind? Dass Bürokratie in Deutschland mit Ausländern nicht so toll umgeht? Richtig. Die machen das auch nicht aus Spaß. Die Ausländerpolitik in Deutschland ist auf „Wollen wir eigentlich nicht haben, aber wenn es nicht anders geht…“ festgelegt worden. Da müsst ihr zu Bundestag und Bundesrat gehen und die CDU bitten, ihre Haltung diesbezüglich komplett zu ändern.

Außerdem würde das auch heißen, dass in jeder Universitätsstadt ein Mensch sitzen muss, der einer von den 6.500 gesprochenen Sprachen der Erde mindestens fließend mächtig ist, nur für den Fall, dass ein ausländischer Student in diese Stadt kommt und ein Formular ausfüllen möchte. Oder würde man die Studierenden diskriminieren, indem man auf eine Drittsprache wie Englisch oder Französisch zurückgreift? Schließlich sind die Sprachen wegen der Kolonialreiche so verbreitet. Nun, lassen wir das und nehmen an, dass ein Mensch mit bis zu vier Sprachen flüssig umgehen kann, dann wären wir mit Lebenspartner und dem statistischen Drittelkind bei etwa 3700 Einwohner, die jeder deutsche Hochschulstandort aufnehmen müsste. Super. Wir sehen also: Das wird nichts. (Ja, die könnten auch mehrere Hochschulstandorte gleichzeitig bedienen, aber das würde selbst Diskriminierungspotential besitzen und das wollen wir ja nicht.)

Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form

Frage: Warum wollt Ihr Bachelor/Master abschaffen?
Antwort: Wollen wir nicht.
Frage: Wollt Ihr nicht?
Antwort: Nein, nur in seiner bisherigen Form.
Frage: Ihr wollt das also verändern?
Antwort: Ja.
Frage: Warum schreibt Ihr das dann nicht hin?

So. Um es gleich vorweg zu nehmen: „Bachelor/Master“ an sich ist schon mal Unsinn. Das heißt, ihr wollt was mit dem Abschluss machen. Eine schnieke Feier. Eine andere Urkunde. Oder meintet Ihr mit „Bachelor/Master“ das System, dass sich dahinter verbirgt? Ja? Aha! Gut. Das ist mal wieder absurd. Ihr habt es echt noch nicht begriffen. Okay. Noch einmal: Auch wenn es Euch nicht gefällt: BA/MA ist ein Fakt, mit dem Ihr umgehen müsst. Je eher Ihr das begreift, umso besser für die Studenten, für die Ihr sprecht. Der Magister ist tot. Er starb in dem Moment, als Bologna entstand. Das war vor 10 Jahren. Euer ideologisch verblendeter Widerstand hat dazu geführt, dass die Hochschulen ihre Diplomstudiengänge widerwillig in drei- bzw. vierjährige Bachelorkurse gepresst haben. Danke dafür. Strukturreformen an den Hochschulen waren seitdem notwendig. Mit der Übernahme dieses Abschlussmodells ist man gezwungen, sich eine ganz neue Hochschulphilosophie anzueignen. Die allerdings muss man zunächst einmal verstehen wollen, um danach darüber nachzudenken, wie man das Alte und das Neue irgendwie miteinander verbinden kann. Stattdessen kommt Ihr im Jahr 10 nach Bologna noch immer mit dieser Abschaffen-Rhetorik. Das ist so was von 90er!

die Abkehr vom Bachelor als Regelabschluss!

Ja nee. Netter Versuch, dasselbe mit anderen Worten nocheinmal zu wiederholen.

das Ende von Verschulung, Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung!

Verschulung ist ein Problem. Das habt Ihr erkannt. Sehr gut! Bei Fachhochschulen etwa ist das seit Ihrer Gründung Usus. Das war in den 1970ern. Verschulung kann man durch kluge Studien- und Prüfungsordnungen verhindern. Im Zuge der Umstellung auf das neue System wäre das möglich gewesen. Da aber das neue System aber ablehnt, lehnt Ihr auch seine Ordnungen ab. Nun, die Realität hat Euch eingeholt. Die Studiengänge jetzt zu ändern ist schwierig bis fast unmöglich.

Regelstudienzeit und Dauerüberprüfung. Okay, das geht in einem Aufwasch. Also: Ihr wollt Euch einschreiben und irgendwann fertig sein und nur in Schaltjahren einmal gefragt werden, ob Ihr auch etwas gelernt habt. Für ein Ja gibt’s ’ne 1,0. Ein ehrliches Nein nur 1,3. Merkt Ihr’s noch?

Das einzig sinnvolle ist doch, Studienprogramme so aufzulegen, dass sie zur der Lebenswirklichkeit der Studierenden passen. Das hat aber mit der Abschaffung der drei Schlagworte nicht viel gemein. Hochschulen stehen zum Großteil einfach leer. Semesterferien nennt man das. Warum keine Trimester? Damit würde Lehre und Forschung einerseits flexibler, andererseits könnte das gleiche Pensum bequemer gestaffelt werden. Selbst Praktika könnten dann anders angegangen werden, weil man nicht ein Semester von der Uni fernbliebe oder seine Ferien opfern müsste. (Abgesehen davon bringen Praktika im Sommer nicht so viel, denn da sind für allgemein Ferien)

die Möglichkeit individueller Schwerpunktsetzung im Studium!

Aha. Also ich kann das. Ob das angerechnet wird, ist eine andere Frage. Beispiel: Ich studiere Experimentalphysik. Mein Schwerpunkt soll aber die Geschichte der Bantusprachen sein. Wollt Ihr das wirklich? Dass Ihr dann mal wieder zum Finanzminister Eures Vertrauens müsst, ist Euch aber schon klar, oder? Und dass Ihr seine Gesundheit wirklich ernsthaft gefährdet, auch? Der lacht sich tot, ich sag’s Euch.

Das ist einfach nur eine Phrase. Mehr nicht. Macht einen Vorschlag, dann kann man drüber reden.

die tatsächliche Umsetzung der Mobilität zwischen den Hochschulen!

Klingt gut. Was meint Ihr damit? Linienbusse zwischen Hamburg, Berlin und München? Bahncard 100 für alle Studenten? Ihr könnt Euch wirklich freuen, dass der Mehdorn nicht mit im Bahnvorstand ist. Der hätte bestimmt nicht so sehr darüber gelacht wie Euer Finanzminister.

Demokratisierung des Bildungssystems

den Abbau von wirtschaftlichen Zwängen im Bildungsbereich!

Stimmt. Herrlich. Jetzt seid es nicht mehr nur Ihr, die den Finanzminister einen Lachkrampf nach dem anderen bescheren, jetzt kann das jeder Professor. Wir untersuchen ein halbes Jahr lang die pommerschen Auswanderergemeinden in Brasilien. Soziologisch, linguistisch und was uns sonst noch so einfällt. Mit 130 Studenten. Nee, wir können ja alle alles studieren, also sind wir gleichmal 230 Studenten. Da sparen wir Geld, wenn wir einen Airbus chartern. Und dann ist es auch billiger, das Hotel zu kaufen, anstatt uns einzumieten.

Wirtschaftliche Zwänge können nicht falsch sein. In der Grundlagenforschung ist das vielleicht nicht angebracht, aber es ist nicht alles Grundlage, was erforscht wird. Und dass die Orchideenfächer auch etwas privates Geld verdienen können, steht bislang nicht zur Debatte. Warum eigentlich nicht? Ich denke, das geht sehr gut und mehr, als es bislang getan wird.

die Mitbestimmung aller Beteiligten im Bildungssystem, u.a. durch Viertelparität in den Hochschulgremien!

Der Finanzminister hat Eure Finanzierung abgesegnet, schon vergessen? Da ist nix mit Viertelparität. Fünftelparität. Eigentlich Sechstelparität, denn den Ausflug nach Brasilien hat er schließlich auch gezahlt. Also drücken wir die Regie dem Finanzminister in die Hand, das würde uns die Gremienarbeit sehr erleichtern.

die Einführung verfasster Studierendenschaften mit politischem Mandat in allen Bundesländern!

Verfasste Studierendenschaften! Da hat sich doch tatsächlich ein inhaltlicher Punkt versteckt! Super! Mehr davon!

Welches politische Mandat meint Ihr eigentlich? Das allgemeine oder das hochschulpolitische? Bei letzterem stimme ich voll und ganz zu: Eine verfasste Studierendenschaft muss Vertreter wählen können, die in ihrem Namen sprechen. Aber wirklich auch im Namen der Vertretenen und nicht nur in Eurem Namen.

Verbesserung der Lehr- und Lernbedingungen

die Umsetzung freier alternativer Bildungskonzepte!

Wie definiert Ihr das? Frei in Euerm Sinne oder im Sinne der Lehrenden? Wenn sich ein Dozent vor einen Hörsaal stellt und anderthalb Stunden redet ohne etwas zu sagen, ist das dann auch frei und alternativ?

Dass Euer Wunsch nur konsequent auf die Hochschulwirklichkeit reagiert, ist Euch hoffentlich bewusst. Es gibt keinen Konsens darüber, welche Inhalte einen Abschluss rechtfertigen. Ein Physikstudium in Bremen und eines in München können beide von den Inhalten um 100% abweichen. Beide bilden Physiker aus. Ist Euch das nicht frei und alternativ genug?

die Beendigung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Bildungsbereich!

Super. Eure ursprüngliche Aussage habe ich verstanden und teile sie. Allerdings könnte man das Ganze leicht missverstehen. Das würde dann spontan zu einem kündigungsbedingten Haushaltsüberschuss an den Hochschulen sorgen.

Okay. Lassen wir das Wunschdenken einfach mal beiseite und kommen in die Realität zurück. Die Hochschulen haben nach Autonomie geschrien und sie teilweise auch bekommen. Dass sie eine ganz andere Art Autonomie erhalten haben, als sie wollten, steht außer Frage. Trotzdem müssen sie jetzt autonom handeln und selbst dafür Sorge tragen, dass diese Art Beschäftigung aufhört. Die wirtschaftsnahen und industrieinteressanten Bereiche machen das schon sehr gut: Die stellen Leute ein, die ausschließlich Forschungsanträge schreiben. Das funktioniert sehr gut. Wenn man jetzt noch ein wenig finanziellen Sachverstand hinzufügt, kommt man dazu, dass eine eingeworbene Stelle immer mehr einbringt, als sie kostet. Damit finanziert man Engpässe und weitere Stellen. Auf diese Art und Weise können die Hochschulen selbst Eure Forderung erfüllen.

die Aufstockung des Lehrpersonals auf ein pädagogisch tragbares Niveau! Dazu sind in den nächsten drei Jahren mindestens 8.000 Professuren, 4.000 Mittelbaustellen und 10.000 Tutor_innenstellen neu zu schaffen!

Also. Ausgehend von der Tatsache, dass an Universitäten der Mittelbau ausbildet und an Fachhochschulen die Professoren selbst, kommen wir also dahin, dass 6.000 der 8.000 Professuren für die Fachhochschulen selbst sind und die restlichen 2.000 Professuren zusammen mit den 4.000 Mitarbeitern in den Unis verschwinden. Die Tutoren teilen wir dann hälftig auf. Das wäre denkbar. Aber ist es auch das, was Ihr damit meint? Wisst Ihr auch, dass ein verbeamteter Lehrstuhl so um die 3 Millionen Euro an Personalkosten verschlingt? Nicht jedes Jahr, aber von dem Zeitpunkt, dass der Lehrstuhl besetzt wird, bis zur Emeritierung und darüber hinaus. Das zahlen die Hochschulen aus Ihren Haushalten. Die immer kleiner werden. Und seien wir mal ehrlich: Wir können uns freuen, wenn die Sätze eingefroren werden oder zumindest noch ein Inflationsausgleich hinzukommt. Von Tariferhöhungen ganz zu schweigen.

die Förderung aller Studierenden statt einseitiger Elitenbildung!

Klingt gut. Mit dem richtigen Konzept geht das aber auch so. Wenn man einen herausgehobenen Bereich der Hochschule aufbaut und den bekanntmacht, dann können die anderen Bereiche mit interdisziplinären Projekten davon profitieren. Wie wollt Ihr eigentlich der Öffentlichkeit erklären, was eine Universität mit 30.000 Mitgliedern alles macht? (Nein, Ihr habt nicht unendlich Zeit dafür.)

die Einheit von Forschung und Lehre statt der Exzellenzinitiative!

Wie viel aktuelle Forschungsinhalte kommen eigentlich bei Lehrveranstaltungen an? Hat sich das durch die Exzellenzinitiative geändert? Nein. Denn es war vorher schon schlecht. Dieser Aspekt des Humboldtschen Bildungsideals ist ein Eckpfeiler der angelsächsischen Bildungsphilosophie. Was haben die gleich für Abschlüsse? Bachelor und Master?

Ein Vorschlag zur Güte

Halten wir fest: Erstens ist die Bildungskrise ein Dauerzustand und nichts Neues, zweitens hat die Art und Weise der Umsetzung des Bologna-Prozesses den Druck auf und in den Hochschulen drastisch erhöht, drittens liegen die Auswirkungen der Krise heute viel klarer. Wie können wir das ändern?

Damit das klar ist: Es gibt kein Zurück mehr. Das sollte uns freuen. Ein Zurück heißt nämlich auch, dass falls einem Fachbereich bei der Besetzung eines Lehrstuhles ein grober Fehler unterlaufen ist, diese Entscheidung für ein Vierteljahrhundert nicht mehr zurückgenommen werden kann. Wer die Leidtragenden davon sind, ist klar: Die Studenten.

Ein Zurück gibt es auch allein deshalb nicht, weil der politische Wille ein gänzlich anderer ist. Daran gibt es nichts zu deuteln. Dass es politische Gruppen gibt, die einer anderen Ansicht sind, steht außer Frage, denn es gibt sie. Aber sie haben nicht die Macht.

So. Nachdem wir nun wissen, dass ein Zurück nicht in Frage kommt, schauen wir nach vorn. Endlich. Also. Das Hochschulsystem wird meiner Ansicht nach folgendermaßen funktionieren. Die Länder werden die Bildungshoheit nicht an den Bund abtreten, weil die Hochschulen einen viel zu großen Prestigefaktor besitzen. Die Finanzierung wird 2019 einen Punkt erreicht haben, der nur für die fixen Kosten, die Verwaltung und die Lehrstühle ausreicht. Alles Weitere muss über Drittmittel bezahlt werden.

Wenn die Hochschulen klug sind, werden sie zunächst die Verwaltung optimieren. Ja, das geht. Mit Schulungen, mit Anreizen, mit Dynamik. Wer im Denken stehenbleibt und nur Dienst nach Vorschrift macht, wird sich nicht lange halten können. Dies wird auch für die Lehrstühle gelten. Lehrstühle werden Geld anziehen oder ihre Inhaber sind Koryphäen, deren Ruf etwas anderes rechtfertigt. Neue Leute werden auch nur dann eingestellt, wenn sie vorher erfolgreich Projektgelder eingeworben haben (Das ist in Schweden bereits heute der Fall). Das sorgt sicherlich für einen höheren Druck, weil sich niemand mehr ausruhen kann. Das soll er aber auch nicht (Warum sollte jemand eine Stelle im öffentlichen Dienst für Nichtstun erhalten? Das sind Steuergelder!).

Jetzt sehen einige bestimmt schon die Geisteswissenschaften im freien Fall, weil die Drittmittelquote so schlecht ist. Falsch. Das liegt einerseits an den Leuten selbst. Zum einen ist ihnen nicht bewusst, wer außer der DFG alles bereit ist, für ihre Arbeit Geld zu geben, zum anderen verbietet ihnen ihr Standesdünkel, sich mit Fragen nach dem schnöden Mammon auseinanderzusetzen. Letztere werden es in 10 Jahren sehr schwer haben. Den anderen kann man mit Rat und Tat zur Seite stehen. Zurück zum falschen Fall der Geisteswissenschaften. Sie sind ein essentieller Teil jeder Hochschule, doch wird Ihr Wert verkannt. Zunächst innerhalb der Hochschule und als Folge dessen auch von außen. Wenn wie in der Schweiz ein technisch-naturwissenschaftliches Studiums zu einem Drittel geisteswissenschaftliche Inhalte vermittelte, hätte das den Vorteil, dass Interdisziplinarität nicht mehr länger nur ein leeres Wort wäre, es würde gelebt werden. Wer weiß, vielleicht regen dann Studenten Zusammenarbeiten zwischen verschiedenen Lehrstühlen an, weil sie in einem Seminare Verbindungen erkennen. Vielleicht beeinflusst das auch die Lebenswege der Studenten zum Positiven.

Diese Veränderungen können schwere nicht sein. Jahrhundertealte Handlungsmuster werden innerhalb eines Jahrzehntes über Bord geworfen, Neues und Fremdes wird ihren Platz einnehmen. Die kuschelige Hackordnung der Fakultäten wird neu geregelt werden. Die Selbstgefälligkeit der Lehrstühle wird zum Luxus.

Schließlich werden sich auch die Gremien und Institutionen ändern müssen. Wie das auf studentischer Seite geschehen wird, vermag ich nicht zu sagen. Da kommt es darauf an, wie hoch der Wille ist, das 68er-Erbe aufzugeben. Was ich damit meine ist folgendes: Das System studentischer Selbstverwaltung spiegelt im Groben die Realität wider. Wir haben ein Wahlvolk, das regelmäßig wählen soll. Das Wahlvolk wählt Listen von Kandidaten, die es nicht kennt. Die Kandidaten kommen in ein Parlament. Das Parlament bestimmt je nach Zusammensetzung eine Regierung. Diese Regierung heißt AStA. Achso: Fachschaftsräte gibt es auch noch. Da sind aber Legislative und Exekutive zusammen. Ich glaube, dass die Zusammenlegung auch auf studentischer Hochschulebene nicht falsch wäre. Ich glaube auch, dass eine Art Wahlbezirk sinnvoller wäre. Dann hätte jede Fakultät ihre Ansprechpartner. Damit wäre die Vernetzung mit den Fachschaften auch enger. Außerdem könnte es dazu führen, dass die Studenten in den Parlamenten keine ideologischen Grabenkämpfe mehr führen würden, sondern sich auf sachorientierte Hochschulpolitik einließen. Für mich ist das der Schlüssel zu einer höheren Wahlbeteiligung und einer aktiverer studentischen Beteiligung.


Ich weiß sehr wohl, dass der politisch korrekte Terminus derzeit „Studierende“ lautet. Ich verwende „Studenten“ anstelle von „Studierende“, weil es lesbarer ist und ich nicht jene diskriminieren möchte, die zwar Studenten, aber keine Studierenden sind. Die Verwendung des Begriffs „Studierende“ ist für mich ein Zeichen dafür, dass die Vertreter der Studierendenschaften sich selbst gegenüber viel unkritischer sind, als sie es vom Rest der Gesellschaft erwarten.

Als Studierendenschaften bezeichnet man alle Studenten einer Hochschule. Allgemein gesprochen sind ihre Vertreter die Gewählten in den vielen Gremien. In diesem Artikel meine ich damit allerdings die Vertreter aus AStA und StuPa, also die hochschulweite Exekutiv- und Legislativgewalt der Studierendenschaft.

Das muss jetzt einfach mal gesagt werden!

marcus 6. Juni 2009

Was das Netz bringt, wird immer klarer. Neue Ausdrucksformen für hobbymäßige Schreiberlinge wie mich (blogs), für semiprofessionelle Videokünstler (youtube), für Wohnzimmernachrichtenticker (twitter), für Vergessliche gibt es selbstaktualisierende Adressbücher und Geburtstagserinnerer (social networks) sowie allgemeine Erinnerungshelfer (social bookmarking).

Einzeln betrachtet sind diese Sachen schon recht spannend. So richtig spannend wird die Sache aber erst, wenn sie miteinander verknüpft werden. Was auf der Anbieterseite bereits geschieht. Denkt sich ein Nutzer aber nun: “Wenn die das können, kann ich das auch!”, so wird es schwer.

Nachdem ich meine anfängliche Twitter-Abneigung überwunden hatte, fand ich in diesem Tool eine wunderbare Möglichkeit halbnützliche Links zu verteilen. Bisher hatte ich ein Rudel von Leuten, die so etwas über Skype zugeschickt bekamen. An und ab. Das ist dann aber wieder so eine Sache: Manche schauen es sich nicht an, andere hingegen schon und wieder andere wehren sich dann vehement dagegen. Es ist ihnen zu viel. Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken, die Links, die mir am Tag über die Füße gefallen sind, abends in einem Artikel zu posten. Das geht aber mit meinem Tagesrhythmus nicht. Also wöchtentlich. Hui. Das wäre ganz schön viel. Also verwerfe ich den Gedanken und versuche es einmal mit Twitter. Das geht recht gut: Man findet einen Link, setzt noch eine Zeile Text dazu und schickt die Sache weiter. Doch es wird noch besser: Weil die Zeitungen, die man online liest, ihre Nachrichten auch twittern, braucht man keinen RSS-Feed mehr zu abonnieren und muss die Links nicht mehr via copy&paste in Skypefenster transformieren, muss keine Leute bestimmen, die das erhalten sollen, in der Hoffnung es nicht falsch zu treffen und danach wieder zeitverschlingende Diskussionen vom Zaun zu brechen. Nein! Ein Klick, ein Enter und schon ist ein Posting fertig. Und jeder, der will, kann es sich ansehen. Niemand ist gezwungen. Toll! (Und ich lache wieder einmal über mich selbst, weil ich den neophoben Trendsettern mal wieder auf den Leim gegangen bin)

Seit einer Weile ist mir klar, dass die Verknüpfung der  ganzen Technologien  ihr ureigenstes Ziel ist, denn jede dieser Anwendungen ist auf zwei Sachen aus, nämlich  Leute zusammen zu bringen und Informationen auszutauschen. Aber wie fange ich das an?

Nun, zunächst die blogs:
Ich bastele mir ein eigenes blog, das seine Informationen von meinen blogs und meinem delicious-Konto erhält. (Wozu social bookmarking, wenn keiner davon erfährt?) Nagut, ich aggregiere von weiteren blogs aus meiner direkten Umgebung, allerdings wird die Herkunft nie verschwiegen. Das wiederum lasse ich von Facebook einsaugen. Wenn andere social networks so clever wären, würde ich das auch dort machen. Außerdem bekommt Twitter eine Information über neue Postings auf diesem Aggregator und verkündet automatisiert davon.

Jetzt die Instant-Messenger und die social networks:
Beim Twittern selbst habe ich ein weiteres Problem für mich gelöst, dass mir seid einer Weile nun schon sauer aufstieß: Nicht nur die Informationen sind völlig verteilt, die Menschen selbst sind es auch. Einen Teil kenne ich im XING, andere im Skype oder im facebook, im google-Universum oder über twitter. Woher soll ich also wissen, welche Information für wen von Relevanz sein kann? Das geht bewi 200-300 Menschen nicht mehr. Dann wäre ich nur noch am Kommunizieren und hätte kaum die Möglichkeit, von selbst neue Eindrücke zu bekommen. Also schalte ich vor Twitter noch ping.fm. Das sorgt nicht nur dafür, dass lange URLs verkürzt werden, sondern verteilt den Status an Twitter, all meine Instant-Messenger und Facebook.

Für mich ist damit das Ziel erreicht: Ich poste von einer Stelle aus alles halb-relevante und es wird breit verteilt. Bei den blogs ist es ähnlich, allerdings entscheidet das Thema über den ursprünglichen Entstehungsort.

Ich lebe entspannter als zu vor: Ich deinstalliere meine Facebook-Toolbar, denn der Status aktualisiert sich von selbst. Ich bin viel weniger häufig in den sozialen Netzen und vergeude ergo weniger Zeit. Jedoch sind die  es tun umso erregter: Zu viele Informationen. Nun, jeder sollte inzwischen seine eigene Strategie entwickelt haben, mit der tagtäglichen Informationsflut umzugehen. Seltsam ist es dann aber wenn die Leute, die sich über zu viele Informationen mit Sätzen wie “Arbeitst Du überhaupt” beschweren, zum sinnfreien Diskutieren über die Tatsache, dass ich es tue, mehr als genügend Zeit finden. Und das nur Minuten nach der Veröffentlichtung. Über Tage hinweg.

<sarkasmus>

Ich erkenne soeben, wieviel Schuld auf mir lastet: In dem Versuch, Informationsangebote zu unterbreiten und dabei gleichzeitig meinen Zeitverlust zu minimieren, habe ich Leute dazu genötigt, Teile  ihrer Arbeitszeit aufzubringen, mich dafür  zu kritisieren. Denn habe für einen Moment vergessen, wer ich bin: Der Ursupator Eures Willens!

</sarkasmus>

zu schön um wahr zu sein.

marcus 16. April 2009

Da hat wohl jemand ein kleines Script geschrieben…

Hier die Details zum Replizieren:

  • Seite: www.amazon.de
  • erster Suchbegriff: pc vernetzen
  • zweiter Suchbegriff: sachbuch

Nachtrag: Der miescha hat mir einen Link geschickt, der vielleicht einen Grund für das Fehlverhalten liefern könnte.

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