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16
Jun

Eine erkenntnisreiche Erhellung

Seit Jahren nun sitzen wir alten Haudegen, wir Veteranen früherer Schlachten zusammen, zeigen unsere Narben vor und unterhalten uns über die gute alte Protestzeit. Wir klopfen uns immer wieder gegenseitig auf die Schultern und sagen uns, wie sehr wir damals richtig gehandelt haben. Und wie sehr doch jetzt alles nicht mehr so ist, wie damals. Damals war vor sieben Jahren.

In der Art und Weise, wie an meinem Institut zum Thema Bildungspolitik derzeit agiert und gestritten wird, erkenne ich mich wieder. Mein Gott, was war ich damals verblendet! Kein Argument, nicht das Geringste kam an. Alles wurde abgeschmettert. Alles war neoliberal. Hat das Spaß gemacht, es diesen Lackaffen zu zeigen. Sie hatten es verdient, in Grund und Boden diskutiert zu werden: Die FDP-Wähler, RCDS-BWLer-Bauern und das ganze apolitische, denkfaule Pack, das lieber länger schläft anstatt zu protestieren! Und wenn man dann doch diskutierte und auf einer Ebene nicht weiterkam, sprang man einfach auf eine andere. Es gab ja genug, schließlich waren wie ja die Profis im hochschulpolitischen Geschäft! Plötzlich diskutierte man über das System und die Welt und völlig andere Zusammenhänge und irgendwann gaben sie auf und man hatte Recht.

Sieben Jahre später bin ich dieser Neoliberale. Und alles was ich sage wird auf- aber nicht angenommen. Und es hilft nichts, dass sich Viele für eine vermeintlich gute Sache einspannen lassen, die sich aus einer paradiesischen Vorstellung einer nie existenten Vergangenheit nährt. Und ich merke, dass Resignation nicht gleich bedeutet, argumentativ die Seite zu wechseln.

Nun, wie dem auch sei. Ich habe mich damals sehr verblendet und in meiner Verblendung vielen Menschen vor den Kopf gestoßen oder  – schlimmer noch – ihnen weh getan. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, doch mir wurde es erst heute bewußt und deshalb will ich jetzt nachholen, was ich schon längst hätte tun sollen.

Ich bitte jeden um Verzeihung, den ich in der damaligen Phase meines Lebens vor den Kopf gestossen und/oder verletzt habe.

Ich weiß, ich mache das wieder super-theatralisch und nehme mich super-wichtig, aber dieses Mal ist es nicht so gemeint.

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