zu schön um wahr zu sein.
Da hat wohl jemand ein kleines Script geschrieben…
Hier die Details zum Replizieren:
- Seite: www.amazon.de
- erster Suchbegriff: pc vernetzen
- zweiter Suchbegriff: sachbuch
Nachtrag: Der miescha hat mir einen Link geschickt, der vielleicht einen Grund für das Fehlverhalten liefern könnte.
Whenever life gets you down, Mrs. Brown…
9 Uhr 40
Ich verlasse das Haus mit der üblichen Zehn- Minuten- Verspätung. Eigentlich kann ich das garnicht mehr sagen. Zehn Minuten früher zu gehen würde Stress bedeuten. Zehn Minuten eher aufzustehen… Naja, ich bin schon froh, dass ich mich meiner Wunschaufstehzeit annähere. Egal. Ich verlasse das Haus und habe eine Zeitung.
Grausames, gemeines Leben: 0
Marcus: 1
9 Uhr 46
Meine Straßenbahn kommt. Sie ist erschreckend leer. Ich werfe einen verstörten Blick auf die Uhr um mich zu vergewissern, dass ich mich nicht um eine Stunde vertan habe. Wurden die Uhren umgestellt und keiner hat mir etwas gesagt? Dem ist nicht so. Ich beschließe, es zu genießen. Juhu!
Grausames, gemeines Leben: 0
Marcus: 1½
Sieht gut aus für mich.
9 Uhr 50
Ich bin an der S-Bahn. Hier sieht es bekannt aus. Die S85 fällt wegen «Verzögerungen im Betriebsablauf heute leider aus», sagt die nette Computerstimme. «Wir bitten um Verzeihung.», sagt die nette Computerstimme. Computerstimmen am Bahnhof geben der Sache etwas unpersönliches. Und eine Entschuldigung vom Band kann nicht ernst gemeint sein. Egal. Ich lese weiter Zeitung.
9 Uhr 55
Zur Abwechslung sagt mir heute mal die gleiche Computerstimme, dass «sich die Ankunft der Ringbahn S42 um wenige Minuten verspäten» werde. Zwei davon sind schon einmal um.
Grausames, gemeines Leben: ½
Marcus: 1½
9 Uhr 56
Auch die S8 wird digital entschuldigt.
9 Uhr 57
So. Die «wenigen Minuten» sind jetzt um. Die Bahnangestellte, die sich offensichtlich in ihrem Häuschen verschanzt hat, entschuldigt sich nun auch, sagt uns aber, dass die nächste Ringbahn schon an der Frankfurter Allee sei und in zehn Minuten käme. Spontan verlässt der halbe Bahnhof den Bahnsteig.
Grausames, gemeines Leben: 1
Marcus: 1½
10 Uhr 3
Die Bahnfrau tut es wirklich leid. Ihre Aufgabe wird nicht besser. Die Nord-Süd-Verbindung würde auch nicht mehr fahren. Jetzt ist der Bahnhof leer. Wir stürzen uns in die nächste Straßenbahn.
Grausames, gemeines Leben: 1½
Marcus: 1½
10 Uhr 8
Die Straßenbahn ist zu 250% voll. Jippie. Glücklicherweise habe ich einen Platz an der Tür mit Möglichkeit zum Anlehnen erwischt. Frischer Ratensauerstoff ist mir also gewiss.
Grausames, gemeines Leben: 1½
Marcus:2
10 Uhr 21
Ich am Alex. Kommt eine Straßenbahn für mich?
10 Uhr 22
In 12 Minuten. Das ist mir zu lang.
10 Uhr 25
Am Hackeschen Markt. Die Ost-West-S-Bahnen fahren noch, die ICEs nicht.
10 Uhr 31
Die M1 fährt SEV. Juhu. Ich laufe.
Grausames, gemeines Leben: 2
Marcus: 2
10 Uhr 33
Der SEV fährt an mir vorbei. Juhu.
Grausames, gemeines Leben: 3
Marcus:2
10 Uhr 41
Ich bin auf Arbeit. Da hätte ich auch laufen können.
Grausames, gemeines Leben: 4
Marcus: 2
10 Uhr 45
Am Arbeitsplatz bemerke ich die Schweißflecken unter meinen Armen.
Grausames, gemeines Leben: 5
Marcus: 2
Zieh Dir was Warmes an, sagen sie. Es ist Herbst, sagen sie. Nicht dass Du Dich erkältest, sagen sie.
Grausames, gemeines Leben: 6
Marcus: 2
Ich fühle und rieche den Schweiß.
Grausames, gemeines Leben: 7
Marcus: 2
Das Hemd habe ich vor anderthalb Stunden frisch angezogen.
Grausames, gemeines Leben: 8
Marcus: 2
Ich hasse dieses Spiel.
Ein deutliches Zeichen für Urlaub ist II | Das Universum schlägt zu
Eigentlich hat der Tag recht gut begonnen: Obwohl ich recht angetrunken erst kurz nach zwei Uhr ins Bett gekommen bin, entsteige ich selbigem in Rekordzeit. Waschen, essen, Mails checken, kurzum: all das, was einen werktätigen Morgen ausmacht, macht mir trotzallem nichts aus. Ich öffne einem Werbungsmenschen die Tür, damit er meinen Briefkasten mit unnützen Sachen zumüllen kann und habe meine erste gute Tat vollbracht.
Viel früher als üblich will ich das Haus verlassen und weil ich die Zeit dazu habe, drehe ich mir meine Zigarette bereits im Wohnzimmer. Mein Blick schweift dabei aus dem Fenster und bleibt spontan in einem Badfenster gegenüber hängen, hinter dem sich ein sehr viel Haut zeigendes weibliches Wesen gerade Zähne putzt. Bei genauerem Hinsehen stelle ich fest, dass es tatsächlich ein Nackedei ist und die Badfenster ganz ohne Milchglas auskommen. Das bin ich spontan dankbar und genieße den Augenblick.
Nun habe ich einen äußerst weisen Einfall: Eine Wegbrause. Sowas hilft mir, wenn ich nach einer Nacht wie der letzten einen guten Start haben möchte. Mit der bereits gedrehten Zigarette im Mund öffne ich also eine dieser Ökobrausen meines Vertrauens. Als Fachmann, der ich nuneinmal im Öffnen von Kronkorken bin, suche ich gar nicht erst nach einem Öffner – ich habe ja Flaschen. Also nehme ich mir eine zweite davon zur Hand, um die erste in den erwünschten trinkbereiten Zustand zu versetzen. Nach einigem Würgen und Versuchen spüre ich den Erfolg in meinen Händen. Doch – oh Schreck! oh Graus! – des Erfolges habe ich nun zu viel: Die Brause ist eine Hundertfünfzigprozentige und schleudert mir ihre halbe Ladung um die Ohren. Ich von oben bis unten nass, die Zigarette ungenießbar, der Tisch und alles auf ihm ein einziges brausendes Meer. Super. Es hilft nichts: Abwischen, umziehen und dann doch erst die nächste Bahn nehmen.
Punks not dead. Ich möchte aber bitte, dass ihr alle tot geht.
Ich hasse Punks mit Hunden. Nicht alle. Nur diese offensiv-aggressiven Ekelpunks, die sich am Ostbahnhof herumtreiben. Ja, ich hasse sie. Aus meinem tiefsten Inneren heraus. Bis zu den Zehenspitzen, so tief.
Soeben machten Denise und ich das Gleiche wie vielleicht tausend andere Menschen an diesem Tag auch: Wir kauften noch schnell ein paar Sachen beim ReWe im Ostbahnhof. Ist ja auch praktisch: Nicht weit weg vom Treptower Park, nur ein kleiner Umweg, um nach Hause zu kommen und hat jeden Tag bis in die Puppen auf. Nachdem wir uns schier stundenlang anstellen mussten, sehe ich auf der Rolltreppe einen Punk samt Gitarre und Hund, der mich böse aus seinem blau gehauenen Auge anblitzt. ‘Gut’, denke ich mir, ‘vielleicht hat er einfach einen schlechten Tag. Punk zu sein ist ja nun auch nicht einfach.’ Wir verlassen das Foyer und gehen unter den Gleisen zur S-Bahn. Plötzlich bleibt mein Schuh hängen und irgendetwas ist naß-cremig. Ich drehe mich um und schreiend denke ich blitzartig: ‘VERDAMMT’. Hinter mir ein Bild des Grauens: Irgendein dämlicher Vollhirni war offenbar nicht Willens oder fähig, seinem Tier beizubringen, dass man in geschlossenen Räumen – und auf Bahnhöfen schon garnicht – mitten auf den Weg scheisst. Und meine Sandale wirkte natürlich wie eine Baggerschaufel. Als ich das Ausmaß des Geschehens erkenne und mich umgehend zur Verdängung dessen, was an meinem Fuß ist, entschließe, kommt natürlich ein Reinigungsmann – und macht die Scheiße weg. Genau zwanzig Sekunden zu spät. Verdrängend dränge ich mich also an den Menschen vorbei aufs Bezahlklo. Der dortige Reinigungsmann ist natürlich nicht da, um mir seinen Wasserschlauch zu pumpen, also muss ich mir selbst helfen und die ganze cremige, stinkende Kacke von meinem Sandal wischen. Erst jetzt merke ich, dass ich das Zeug unter und zwischen den Zehen habe. Glücklicherweise ist mein Magen leer, deshalb fällt es mir weniger schwer, den Brechreiz ob des Anblicks und des Geruchs zu unterdrücken. Der Hunger, den ich noch vor zehn Minuten verspürte, ist wie weggewischt.
Deshalb hasse ich ab sofort alle Punks mit Hund am Ostbahnhof. So. Das musste ich nur loswerden.
Eines noch: ICH HASSE SIE!
Was nützt die Sprache in Gedanken…
Das letzte Wochenende habe ich Hannover verbracht. Hannover. Spannend ist was anderes, aber die Stadt plätschert sich halt durch das Mittelfeld der deutschen Großstädte. Was sie rettet, ist die Messe. Ganz klar. Von den Menschen sagt man, sie würden ein nahezu reines Hochdeutsch sprechen. Nun. Das mag schon sein, aber wenn’s woanders hapert, spreche ich doch lieber Dialekt. Niwahr?
wie der Beginn eines schlechten sat1-Films…
Der Spreewald – eine Wald-und-Wasser-Idylle für Spechte und Rentner.
Fast geräuschlos schiebt sich eine vollbesetzte Teutonengondola durch die Landschaft. Die tiefsinningen Gespräche der Omas und angeheirateten Großtanten haben sich auf ein Mindestmaß reduziert – wohl zur Freude der mitgebrachten Opas und Großonkel. Andächtig genießt man die Rufe eines fernen Kuckucks, schaut dem Specht beim Klettern in den Bäumen zu und freut sich still über kopulierende Libellen.
Urplötzlich wird diese Genussruhe jäh durch ein klingelndes Telefon unterbrochen. Instinktiv packen alle vorsorglich ihre Fackeln und Entermesser aus, um den Störenfried hinter der nächsten Flußbiegung gebührend in Empfang zu nehmen.
Kameraschwenk. Ein rotes Paddelboot eiert auf einem Spreearm herum. Hinten ein sonnenbebrillter adretter junger Mann mit Hut, vorn eine nicht minder ansehnliche Langhaarblondine. Sie versucht das Boot zu steuern, er greift hin und wieder korrigierend ein, damit das Böotchen möglichst mittig im Wasser bleibt. Ständig klingelt ein Telefon. Sein Telefon. Nicht nur, dass er ständig Gratulationsanrufe annimmt, anstatt einfach die Landschaft zu genießen – nein, dieser posturbane Zivilisationsjunkie muss natürlich j-e-d-e-m lauthals sagen, wie schön das hier ist. Ihr bluten langsam die Ohren. Und als ob das nicht schon genug ist, gesellt sich Murphy zwischendurch mit all seiner Härte dazu. Daher muss Monsieur Chapeau eine geschlagene Stunde irgendwelchen Computerkram telefonierend dirigieren. Und dass es ihm wirklich Leid tut, nimmt sie ihm seit einer halben Stunde schon nicht mehr ab: Kaum dass er aufgelegt hat, klingelt schon wieder das Telefon. »Nee, wat schön! Und so ruhig is dit hia!«
Just in diesem Moment erreichen beide Boote die gleiche Kurve und befinden sich augenscheinlich auf Kollissionskurs. Die Teutonenherzen schlagen vor Freude Purzelbäume. Doch behende, das Telefon in die Schulter geklemmt und weitertelefonierend, versucht er, ihr zu dabei helfen, den Fast-Teutonen-a.D. möglichst aus dem Weg zu fahren. Knapp außer Reichweite gleiten sie – den Angstschweiß auf der Stirn – an der wutgelandenen Rentnergallere vorbei. Der Gondoliere wünscht ein Funkloch. Er sich auch. Irgendwie.
Ein deutliches Zeichen für Urlaub ist
…wenn man fröhlich telefoniert, eine leere Flasche Bier findet und in den Kasten stellt, sich anschließend eine Neue herausnimmt und selbige öffnet, zum Schrank geht und ein Glas herausnimmt, das Bier einschenkt und erst beim ersten Schluck merkt, dass man (a) Bier trinkt, es (b) eigentlich noch viel zu früh dafür ist und (c) – und das ist das Schlimmste – das schöne Frühchen auch noch aus einem Glas trinkt.
Single Point Of Failure
Ein ganz gewöhnlicher Samstag am Vorabend des «Messiah Comback Day ». Wir sitzen im RegionalExpress von Dresden nach Leipzig. Ungewöhnlich ist nur, dass wir a) den geplanten Zug erreicht haben, wir b) niemanden zu besonderer Eile nötigen mussten und c) sogar schon das Ticket in der Tasche haben. Alles ist also wunderbar.
In Riesa angekommen, spüren wir plötzlich den kalten Atem des Unglücks im Nacken: Wir warten. ‘Vielleicht warten wir ja auf diese öminösen Anschlußreisenden.’, ist mein erster Gedanke. Nach fünfminütiger Ungewissheit eine Durchsage: Eine betriebliche Störung. Ich ahne Schlimmes. Weitere fünf Minuten später rollen wir fast unmerklich los und haben nach wenigen Sekunden unsere Reisegeschwindigkeit erreicht. Es fühlt sich an wie Schrittgeschwindigkeit und nennt sich bestimmt «auf Sicht fahren ». Grüne Signale sehen wir nicht, dafür umso mehr rote. Die Strecke bis Oschatz dauert etwa eine Stunde. Zwischendrin eine Durchsage, in der uns mitgeteilt wird, dass die Verspätung inzwischen bereits vierzig Minuten betrage und um Verständnis gebeten wird. Leider ist das bereits aus, denn ich musste schon weitaus früher feststellen, dass aus dem knapp einstündigen Aufenthalt am Leipziger Hauptbahnhof nichts wird und ich demzufolge keine Strümpfe werde kaufen können. Sowas gibt’s ja noch nicht im Zug. Blumen auch nicht. Verspätung wäre ja nicht so schlimm, wenn an jedem Zug noch eine Kaufhalle wäre.
Ein pflichtbewusster Mann älteren Semesters macht sich mehrmals auf die Suche nach der Schaffnerin, aber anscheinend hat das Personal die Schutzräume bereits aufgesucht. Ich kann das irgendwie verstehen. Die zwei sitzen im gleichen Boot wie wir, haben ebenso viel Schuld an der ganzen Sache, bekommen aber dafür alles ab. Wieder ein Tag, wo man Meister Mehdorn danken muss. Wieder einmal zeigt sich, dass Computer nur dann sinnvolle Arbeit leisten können, wenn sie sinnvoll eingesetzt werden. Kommt aber ein verkalktes Vorstandshirn auf die Idee, Computer sind die ideale Sparbesetzung für alles, dann kann das Ergebnis nur schlecht sein. So wie jetzt. Von Leipzig aus wird des gesamte Zugverkehr bis einschließlich Dresden verwaltet. Klingt klug, ist Müll. Denn wenn die kluge Lösung ausfällt, stehen alle Signale auf rot und alle Züge müssen Schritt fahren. Tja und wenn man ewig und drei Tage braucht, um die Computer wieder hoch zu fahren, dann kann man schonmal für eine eigentlich einstündige Fahrt doppelt so lange benötigen. Alle Räder stehen still, weil der starke Arm nicht will.
In Oschatz angekommen, sind wir bereits mit einstündiger Verspätung ausgepreist. Die Leute am Bahnsteig freuen sich auf den warmen Zug und sind laut. Dafür normalisiert sich unsere Geschwindigkeit.
Inzwischen könnten wir seit einer halben Stunde auf dem Hauptbahnhof Geld ausgeben. Stattdessen fahren wir in Dahlen ein und bekommen eine weitere Durchsage. Verspätung jetzt 64 min. Die ICEs nach Erfurt und München werden nicht erreicht. Ende der Durchsage. Weil vorhin schon um Verständnis gebeten wurde und sowieso keiner im Zug ernsthaft gewillt ist, die lakonische Entschuldigung anzunehmen, kommt auch nichts. Man sieht, die Bahn versteht es, ihre Mitarbeiter loyal hinter sich zu versammeln.
Vielleicht ist aber auch alles ganz anders. Vielleicht ist es auch nur die Rache der Programmierer. Oder aber der große Vorsitzende hat das bewusst einbauen lassen, diese Fehler. Um den Leuten zu zeigen, wie gut es ihnen sonst geht, und dass er den Längsten hat. Vielleicht ist es aber auch nur Fürsorge. Ich meine, die Züge werden immer schneller, die Aufenthalte in den Zügen immer kürzer, vielleicht ist so etwas wirklich mit Absicht geschehen um den Menschen die Chance zu geben, sich mit dem Zug, dem Personal, dem Gesamtkonzern Bahn zu identifizieren.






