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Artikel der Rubrik »Re(e)volution«;

21
Aug

Gedanken, Fragen

Ich glaube, wir leben zu wenig. Ich glaube, wir sind mit uns selbst zu sehr nicht im Reinen. Wir vertrauen uns selbst viel zu wenig. Und wir hören auch zu selten auf uns. Deswegen vertrauen wir Anderen mehr als uns selbst. Deswegen setzen wir auch zu viel Vertrauen in Andere. Deswegen müssen uns die Anderen zwangsläufig enttäuschen. Aber nicht die Anderen enttäuschen uns, wir enttäuschen uns selbst. Auch führt der Nicht-Glaube an uns selbst dazu, dass wir den Dingen mehr Vertrauen schenken, als uns selbst und damit mehr, als sie verdienen. Wir schufen die Dinge, damit sie unser Leben vereinfachen, und nicht dafür, dass sie es kontrollieren. Sie wurden und werden geschaffen, um uns frei zu machen. Stattdessen geben wir die Verantwortung, die wir für uns selbst tragen, an die Dinge ab, die wir schufen, in dem vermeintlichen Glauben, dass sie uns helfen. Damit schufen wir uns eine neue Abhängigkeit, damit kam erst die Zeit viel stärker in den Blickwinkel unserer Betrachtungen, unserer Denkweise und unserer Art zu leben. Wie flexibel sind wir, wenn wir uns ohne ein Telefon auf der Straße unsicher fühlen? Wie abhängig sind wir von diesem Ding, wenn wir ohne es nicht auf die Straße gehen? Geht das Leben nicht auch so weiter? Nur weil es uns die Möglichkeit eröffnet, immer und überall erreichbar zu sein, leitet sich doch daraus keine Pflicht oder gar ein Zwang ab. Sicherlich verlangsamt das die Prozesse, aber sind wir nicht das Maß aller Dinge, die wir wollen? Ist dieses immer-mehr-immer-schneller-immer-billiger wirklich das, was wir uns wünschen, oder geht es nicht vielmehr darum, dass man, wenn man diese Welt verlässt sagen kann «Ich habe gelebt»? Warum muss immer alles effektiver, effizienter sein? Sicherlich: Wir können es uns nicht mehr leisten, diese Welt und ihre Güter zu verschwenden, aber wird sie nicht vielmehr dadurch verschwendet, das wir alles und das immer sofort wollen und dass genug nie genug ist? Wenn man den Fuß vom Gas nimmt, fährt man langsamer, kommt aber entspannter ans Ziel. Außerdem verbraucht man weniger. Sollten wir nicht auch so leben? Vielleicht könnten wir dann nicht so viel besitzen, aber wären wir dann nicht reicher. Wohin führt uns dieser ewige Dauerlauf nach vorn? Kommt man nicht auch gehend ans Ziel?

In unserer zivilisierten Welt ist doch einiges an Unmenschlichem zu viel und vieles, was uns umgibt, lässt sich als Spiegelbild unserer Seelen nutzen. Wir brauchen nur aus dem Haus zu gehen und zu schauen. Entsprechen Häuser, in denen hunderte Menschen wohnen oder arbeiten dem Begriff «human»? Wieso zwingen wir uns, zu bestimmten Zeiten an einem Ort zu sein, um eine Tätigkeit auszuüben, die wir in gleichem Maße auch in einem Park oder in einem Bett ausüben könnten? Muss unsere Welt immer nach Vernunft und Sachlichkeit funktionieren?

Muss denn jede Gelegenheit, die existiert auch genutzt werden, weil man befürchtet, sie käme nie wieder?

20
Jun

Systemfehler?

Alle theoretischen Gesellschaftskonstrukte und ihre praktischen Ausläufer zielen darauf ab, so viele Subgesellschaften wie möglich zu erfassen, ohne die Möglichkeit einer späteren freiwilligen Abkehr der Subgesellschaften vom Leviathan einzubeziehen.

Seit dem Ende der französischen Revolution haben sich in verschiedenen Phasen Grenzen verschoben, Völker getrennt und vereint; immer mit dem Ziel, all jene, die zusammen gehören, zu vereinen. Für das 19. Jahrhundert soll an dieser Stelle das Stichwort Nationenbildung genügen, im 20. Jahrhundert fallen gleich zwei: Separatismus sowie Vielvölkerstaat. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat dieser Prozess in eine neue Qualität erreicht, dessen Ausmaß durchaus schon zu erkennen ist: Der Vielvölkerstaat Europa.

Doch geht dieser Prozess wie alles Menschliche nicht ohne Zwang von statten: Natürlich kann sich ein Land entscheiden, dass es der EU nicht beitritt. Dann allerdings muss es auch mit den Konsequenzen leben, die umso stärker sind, je schwächer das Land ist, denn: Teil eines solchen Wirtschaftsraumes zu sein, erleichtert den Aufschwung der nationalen Wirtschaft ungemein.

Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks konnte man jedoch die Lindenblattstelle dieses Prozesses genau sehen: Den Ausnahmefall, der eintritt, wenn sich mindestens ein Volk nicht wohlfühlt und ausbrechen will. Dann muss sich der Rest die Frage stellen: Lassen wir sie ziehen oder zwingen wir sie mit Gewalt oder lassen wir es ganz sein und jeder macht von nun an seins?

Die erste der drei Möglichkeiten ergibt sich nur sehr selten, nämlich genau dann, wenn ein großer Staat so instabil ist, dass er keine Möglichkeit mehr hat, die zweite Option zu wählen. Das Gleiche gilt für die dritte. In vielen ehemaligen Sowjetrepubliken hat das funktioniert, in Jugoslawien beispielsweise nicht.

Doch nehmen wir ein anderes Beispiel: Was wäre, wenn sich Deutschland entschließen würde, allen Bündnissen zu entsagen und folglich aus EU und NATO austreten würde? Sind diese Bündnisse überhaupt daraus vorbereitet?

Im Falle der NATO wäre die erste Überlegung, ob es nicht günstiger sei, Deutschland einfach zu besetzen und zum Verbleib zu zwingen, schließlich kennen wir die NATO schon sehr lange. Für Europa wäre das ein ebenso herber Schlag: Alle Zollkontrollen müssten dauerhaft wieder aufgebaut werden, der Transitverkehr würde mindestens erschwert werden, die Währungen würden sich wieder trennen usw.

Was ist das aber für eine Freiheit, die nicht die Chance einräumt, nein zu sagen?

Das, was im Großen gilt, ist auch für den Einzelnen von Interesse. Niemand hat uns gefragt, ob wir dem Gesellschaftsvertrag überhaupt zustimmen. Man geht einfach davon aus. Was aber ist, wenn jemand wirklich einmal auf die Idee kommt und die Leute fragt und dabei herausbekäme, dass ein Drittel oder ein Viertel der Bevölkerung mit der Verfassung in ihrer jetzigen Form nicht einverstanden sind? Man müsste sie zumindest observieren lassen, schließlich sind sie offiziell Staatsfeinde. Was würde passieren, wenn eine Kleinstadt plötzlich die Trennung von Deutschland proklamieren würde? Würden wir sie besetzen? Falls ja: Wie würde sich das auf das Vertrauen dieser Bürger zur Verfassung, zum Rechtsstaat, zur Achtung der Menschenrechte auswirken? Wollen wir das?
Doch: Geht es überhaupt anders?

10
Sep

Neue Spielregeln für ein altes Spiel

In letzter Zeit hört, sieht und liest man von Dingen, die man schon aus dem Geschichtsbuch kennt. Der Wahlkampf nimmt Weimarer Züge an und als Reaktion gibt es nur Worthülsen. Traurig ist dabei, dass mit alten Denkweisen – die ebenfalls dem Geschichtsbuch zu entstammen scheinen – gearbeitet wird.

Ich denke, dass wir ein paar Wahrheiten akzeptieren müssen, so schmerzhaft sie auch sein mögen.

  1. Wir haben Territorium verloren. Weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsens sind bereits in brauner Hand. Auch wenn sie nicht das nötige politische Gewicht haben, so sind sie bereits als feste politische und gesellschaftliche Kraft akzeptiert. Daher können sie es sich auch erlauben, in die Mottenkiste zu greifen und ihre SA-Taktiken zu nutzen.
  2. Wir sind stehen geblieben. Es ist die Schuld der etablierten Parteien, wenn die NPD ihren Nachwuchs ohne Gegenwehr heranziehen kann. Die eigentliche Jugendarbeit liegt brach. Wir reden mit unserer Zielgruppe – der Jugend – in unserer Sprache: Der Sprache von Sozialwissenschaftlern, von Juristen und Politikern. Wir versuchen, möglichst ohne Ecken und Kanten zu sein. Medientauglich aufzutreten. Das ist aber nicht die Sprache unserer Zielgruppe. Da ist es klar, wenn die zunächst unpolitische Mehrheit für die Programme der NPD empfänglich ist.
  3. Die NPD hat eine äerst kreative und erfolgreiche Markteintrittsstrategie. Im Gegensatz zu ihren Opponenten, die nur lokal arbeiten und sehr unzureichend landes- oder bundesweit organisiert sind, hat sie ein Ziel und eine ausgeklügelte Strategie, um dieses Ziel zu erreichen.
  4. Wir haben Angst davor, politisch zu sein. Kaum ein einflußreicher Mensch stellt sich hin und sagt: Mein Name ist Mensch Meier, ich bin Geschäftsführer von Firma XYZ und bin gegen rechts. Das geht nicht, weil es eine politische Meinung widerspiegelt. Man wird ja sofort in ein linkes Milieu hineingeschoben.
  5. Wir haben nichts aus der Geschichte gelernt. Die Weimarer Republik ging unter anderem auch zu Grunde, weil sich die etablierten Parteien aus ideologischen Zwängen heraus zu sehr voneinander abgrenzen mussten und in gemeinsamen Punkten dennoch ihren eigenen Standpunkt vertreten sehen wollten. Auch heute ist es schwer, ein breites Bündnis aufzumachen, weil die Konservativen beispielsweise nicht mit den Linken kooperieren wollen. Unsere durch Eitelkeiten verursachte Uneinigkeit macht die NPD stark. Wir erfüllen ihre Erwartungshaltung.
  6. Unsere Instrumente versagen. Parallel zueinander existieren viele verschiedene Initiativen und Projekte, die zwar das gleiche Ziel verfolgen, jedoch nur bedingt an einem Strang ziehen. Es gibt von Seiten staatlicher Stellen verschiedene Fördertöpfe, die für eine begrenzte Zeit Gelder zur Verfügung stellen, letztlich muss aber festgestellt werden, dass sie nur der Tropfen auf den heißen Stein sind. Das einzige was sie bewirken ist, dass der “Gebietsverlust” nicht ganz so schnell von statten geht.

Nun müssen wir uns noch ein paar Dinge vor Augen halten, wenn wir an einer erfolgreichen Lösung dieses Problems interessiert sind.

  1. Wir führen einen Krieg.
    Unser Gegner zeigt sich offen, operiert aber auch verdeckt.
    Er verfügt über eine breite Unterstützung in Teilen der Bevölkerung.
    Er befindet sich seit einiger Zeit in der Offensive, wenngleich er offensichtlich schwächer ist, als wir.
    Das zu verteidigende Gebiet sind die Köpfe der Kinder und Jugendlichen. Wir operieren in selbstständigen Einheiten gegen einen Gegner, der sich bereits seit einer ganzen Weile formiert hat.
    Im Augenblick sind wir unkoordiniert und der Gegner nutzt unsere Schwäche für seine Offensive. Wir aber müssen nun einerseits unsere Verteidigung aufbauen, stärken und halten, andererseits aber selbst in die Offensive gehen. Dafür allerdings sind Pläne notwendig. Pläne brauchen Zeit. Wir müssen also zwei Probleme gleichzeitig bearbeiten.
  2. Wir versuchen, einen unliebsamen Konkurrenten vom Markt zu drängen.
    Die nationalistischen Kräfte drängen seit einiger Zeit auf den Parteienmarkt. Um auf einem gesättigten Markt Fuß fassen zu können, muss man einige Nischen finden und darin für Alleinstellungsmerkmale sorgen.
    Im Sachen Jugendarbeit sind sie uns um Ellen voraus. Während wir ganz offensichtlich versuchen, die Jugend zu erziehen, schieben die Nationalisten ihre Ideologie in kleinen Häppchen ganz subtil unter die eigentlich unpolitischen Maßnahmen. Sie stellen sich wunderbar auf ihre Zielgruppe ein. Wir offenbar nicht genug.

Wir müssen also Territorium und Markt zurückerobern. Was ist dafür zu tun?

  • Zunächst sollten alle Initiativen und Akteure gegen rechts erfasst werden.
    Damit lassen sich Dopplungen und Schwerpunkte einfacher finden und die wenigen Kräfte bündeln. Zuviele Bündnisse existieren auf einer Ebene nebeneinander her. Zwischen den Bündnissen gibt es zu wenig Kommunikation, daher auch mehrfache Schwerpunkte und Lücken.
  • Danach muss man einen Erfahrungs-, Ideen und Informationsaustausch gewährleisten.
    Auch hier können Kräfte gespart werden. Man muss das Rad nicht zwei- oder dreimal erfinden. Außerdem kann man sehen, welches Konzept wo schon einmal versucht wurde oder wer bereits Erfahrungen mit einem speziellen Problem hat.
    Des Weiteren wäre es doch schön, wenn man übergreifend agieren würde, wenn sich also beispielsweise Lehrer und Projektbetreuer stärker in die Hände spielen würden, als es jetzt der Fall ist.
  • Man benötigt eine Task Force.
    Hier geht es um eine möglichst schnelle und kreative Form der Reaktion. Die NPD operiert nach dem gleichen Modell an verschiedenen Orten. Eine Task Force könnte dies erkennen und sich Möglichkeiten überlegen, wie man möglichst effektiv, aber witzig diesen “Angriff” abwehren kann. Das operative Defensiv-Oberkommando, um bei der militärischen Sprache zu bleiben.
  • Es braucht ein Strategic Command.
    Das größte Problem ist die vergeudete Zeit für Reaktionen auf Aktionen der NPD. Das ist alles nur Verteidigung. Verteidigung aber bindet nur sinnlos eigene Kräfte, wenn sie nicht innerhalb eines festen Zeitrahmens in eine Offensive übergeht. Und das kontrolliert, strukturiert und an der ganzen Front. Bei dem momentanen Organisationsniveau werden so viele Kräfte und so viel Zeit für Gegenmaßnahmen vergeudet, dass es nicht mehr möglich ist, an eine erfolgreiche Offensive zu denken.
  • Schluß mit ideologischer Verblendung.
    Wir dürfen uns nicht mehr länger mit ideologischem Firlefanz herumärgern. Hier geht es um eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, bei der die persönliche Weltanschauung nicht relevant ist.
  • Keine Gewalt, keine Provokationen
    Das Ungeheuer NPD geht ohne seine vielen Köpfe ein. Wir müssen also den Köpfen begegnen. Das darf aber nicht in der übliche Manie geschehen. Es ist notwendig, jedem Menschen auf einer Ebene zu begegnen und eine abweichende Meinung zu akzeptieren. Eine logisch inkonsistentes Weltbild verfestigt sich unter Druck nur noch mehr, durch fragen und Offenheit wird es allerdings zerbrechen.
  • Finanziers benennen.
    Wer finanziert die NPD? Wer gibt ihnen das Geld für ihre Aktionen? Wo sind die cleveren investigativen Journalisten, die deren Namen und den ihrer Unternehmen veröffentlichen? Wenn die Spender und Unterstützer auf einmal im Licht der Öffentlichkeit stehen, bekommen sie hoffentlich Angst und überlegen sich in Zukunft dreimal, ob sie der NPD weiter Geld spenden wollen oder nicht.
  • Ein Bündnis aus Köpfen, nicht Organisationen
    Mitglieder des Bündnisses sollten bestenfalls Menschen sein und nicht die Organisationen, für die sie arbeiten. Die können das Bündnis gern tatkräftig unterstützen, doch brauchen wir nicht ein Bündnis der “alten Schule”, das letztendlich zu einem linken Sammelbecken verkommt und sich durch mit ideologisch-verfärbten Worthülsen versehene Aktionen und Mitteilungen selbst diskreditiert. Dieses Bündnis soll ein Zusammenschluss verschiedener gesellschaftlicher Akteure sein und dazu führen, dass sich die Jugend zu selbstbewussten Demokraten entwickeln kann. Was sie mit ihrem Wahlzettel veranstalten, ist uns letztlich egal (solange sie hingehen und nicht NPD wählen). Auf welche Seite des politischen Theaters sie sich schlagen werden, sollte ihnen überlassen werden.
    Vielleicht sollte es eine stillschweigende Abmachung zwischen den unterstützenden politischen Organisationen sein, dass man den Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren die Möglichkeit gibt, ein Verständnis für Demokratie zu entwickeln und erst danach versucht, sie als Mitglieder zu werben.
  • Die Finanzierung muss unabhängig werden.
    Möglicherweise ist eine gemeinnützige AG oder eine Bürgerstiftung hierfür zweckmäßig. Wichtig ist jedoch, dass die Finanzierung der Projekte gegen rechts nicht mehr nur vom Staat geleistet werden kann und soll. Letztlich ist es ebenso auch das Interesse der GlobalPlayer in Deutschland, für ein bundesweites Klima zu sorgen, dass es ausländischen Mitarbeitern ermöglicht, ohne Angst nach Deutschland zu kommen. Eine staatsfremde Organisationsform ist hierfür sicherlich sinnvoll, nicht zuletzt auch, weil in solchen Organisationen private Gelder eher eingehen, als in staatliche.

Wir bedienen uns nur einiger theoretischer Methoden der Kriegsführung, wir schlagen dem Ungeheuer nicht die Köpfe ab, wir verprügeln nicht. Wir wollen überzeugen und wir müssen es auch.

20
Mrz

Der Weg

Ich habe heute die Gedanken von Erich Fromm über das Menschenbild bei Marx gelesen. Das Buch macht wirklich hungrig auf Marx. Mir scheint, dass sich viele Widersprüche zwischen meinem bereits formulierten Denken und meinem Fühlen damit auflösen werden. Ich bin wirklich gespannt.

22
Jan

Wider der Vernunft / Kant ist tot.

Kann es sein, dass alle Modelle, alle Ideologien und Theorien, die versuchen, diese Welt zu beschreiben, nie vollständig sein können? Kann es sein, dass die Antwort auf die große Frage nach dem Warum? eine ganz einfache, aber unaussprechliche Antwort hat? Dass uns die »Wahrheit«, an die wir uns nur annähern können, eigentlich unser ganzes Leben lang als Brett vor der Kopf hängt?

Es existiert eine universelle, allgemeingültige Wahrheit. Sie ist kürzer als 42. Wir alle sind Teil dieser Wahrheit. Jedes Atom dieses Universums bildet diese Wahrheit. Wenn wir kreativ schaffen oder forschen oder nachdenken, beschreiben wir einen Ausschnitt aus dieser Wahrheit. Wir vermögen aber nicht, sie gänzlich, allumfassend zu beschreiben. (Vielleicht würden wir es schaffen, aber dann müsste sicherlich alle Materie zu Tinte und Papier gemacht werden, damit genug Platz zum Aufschreiben vorhanden ist)

Unser Kardinalfehler beim Beschreiben der Wahrheit ist der Gebrauch unserer Vernunft. Eigentlich ein Instrument, um sie zu beschreiben, wie aber alles andere auch, kann Vernunft nur einen Teil abdecken. Vernunft kann Liebe nicht erklären, kann Musik nicht sinnvoll beschreiben.

Warum?

Vernunft ist das Gegenteil von Gefühl und Gefühle sind unaussprechlich; die für sie gefundenen Worte sind in jeder Sprache anders und jede Kunst beißt sich an ihnen die Zähne aus. Jedes Wort ist eine schlecht gemachte Vereinfachung dessen, was das eigentliche Gefühl ausmacht. Wenn wir uns überlegen, wie viele tausend Liebesgedichte es gibt, dann wird schnell klar, wie komplex ein Gefühl ist, doch kommt ein einzelnes Gefühl selten allein.

Die »Wahrheit« ist ein Zustand aus Gefühl. Das ist alles.

Damit ist sie zwar nicht gedruckt transportierbar und demzufolge auch nicht in der Schule lehrbar, denn jeder Mensch muss den für ihn geeigneten Weg finden, sich der/seiner Wahrheit zu nähern, aber das macht nichts.
Vielleicht ist genau das auch der Sinn.
Vielleicht denken wir viel zu tief.
Vielleicht ist es ganz einfach.

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