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16. Juni 2009

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Eine erkenntnisreiche Erhellung

Seit Jahren nun sitzen wir alten Haudegen, wir Veteranen früherer Schlachten zusammen, zeigen unsere Narben vor und unterhalten uns über die gute alte Protestzeit. Wir klopfen uns immer wieder gegenseitig auf die Schultern und sagen uns, wie sehr wir damals richtig gehandelt haben. Und wie sehr doch jetzt alles nicht mehr so ist, wie damals. Damals war vor sieben Jahren.

In der Art und Weise, wie an meinem Institut zum Thema Bildungspolitik derzeit agiert und gestritten wird, erkenne ich mich wieder. Mein Gott, was war ich damals verblendet! Kein Argument, nicht das Geringste kam an. Alles wurde abgeschmettert. Alles war neoliberal. Hat das Spaß gemacht, es diesen Lackaffen zu zeigen. Sie hatten es verdient, in Grund und Boden diskutiert zu werden: Die FDP-Wähler, RCDS-BWLer-Bauern und das ganze apolitische, denkfaule Pack, das lieber länger schläft anstatt zu protestieren! Und wenn man dann doch diskutierte und auf einer Ebene nicht weiterkam, sprang man einfach auf eine andere. Es gab ja genug, schließlich waren wie ja die Profis im hochschulpolitischen Geschäft! Plötzlich diskutierte man über das System und die Welt und völlig andere Zusammenhänge und irgendwann gaben sie auf und man hatte Recht.

Sieben Jahre später bin ich dieser Neoliberale. Und alles was ich sage wird auf- aber nicht angenommen. Und es hilft nichts, dass sich Viele für eine vermeintlich gute Sache einspannen lassen, die sich aus einer paradiesischen Vorstellung einer nie existenten Vergangenheit nährt. Und ich merke, dass Resignation nicht gleich bedeutet, argumentativ die Seite zu wechseln.

Nun, wie dem auch sei. Ich habe mich damals sehr verblendet und in meiner Verblendung vielen Menschen vor den Kopf gestoßen oder  – schlimmer noch – ihnen weh getan. Sieben Jahre sind eine lange Zeit, doch mir wurde es erst heute bewußt und deshalb will ich jetzt nachholen, was ich schon längst hätte tun sollen.

Ich bitte jeden um Verzeihung, den ich in der damaligen Phase meines Lebens vor den Kopf gestossen und/oder verletzt habe.

Ich weiß, ich mache das wieder super-theatralisch und nehme mich super-wichtig, aber dieses Mal ist es nicht so gemeint.

  1. michael fengler
    Jun 16 2009

    Marcus – du bringst hier aber gewaltig was durcheinander. Was du da schreibst, finde ich nicht gut, weil du damit auch indirekt die Leute, die damals mit dir gekämpft haben, und ihre Einstellung und Leistung abwertest. Als einer der damaligen Mitstreiter muss ich dir entgegenhalten, dass wir unseren Protest anders organisiert haben und durchaus … Read Morefortschrittliche Ideen zur Grundlage der Auseinandersetzung hatten. Das man es sich und allen anderen nicht immer Recht machen kann, ist eine Binsenweisheit und dein Kotau ist in diesem Zusammenhang völlig unangebracht, weil du dich für dein politisches Handeln und seine Konsequenzen entschuldigen willst. Backen zusammen, Haltung bewahren und schon gar nicht einknicken, nur weil es andere eben nicht besser sondern schlimmer machen.

  2. Jun 16 2009
    1. Da dieser Eindruck offenbar bei Dir entstanden ist, will ich mich bei Dir entschuldigen, denn das lag nicht in meiner Absicht.
    2. Ich glaube, dass wir damals ein recht eigenes Selbstverständnis unserer politischen Arbeit entwickelt haben, das an der Sache und weniger an der Ideologie orientiert war. Wir hatten die Last des 68er-Erbes nicht zu tragen und wollten das auch nicht. Jedenfalls was mich betrifft. Ich glaube behaupten zu können, dies für Dich und ein paar uns beiden liebe Menschen ebenso sagen zu können.
    3. Nichtsdestoweniger habe ich heute den Spiegel der Vergangenheit vorgehalten bekommen – nur stand ich heute auf der anderen Seite der Diskussion. Das wurde mir klar und ebenso wurde mir bewusst, dass ich in manchen Situationen über die Stränge geschlagen habe und damit Menschen verprellte oder verletzte. Ich habe mich und die Sache viel zu ernst genommen: Durch meinen Mund sprach der formierte Wille von 3.000 Menschen. Ich bin damals geflogen und zwar richtig hoch. Sicherlich war die Landung ein schneller Absturz mit einem langen Auf-dem-Boden-schleifen. Aber dennoch habe ich einem gefühlten Duzend Menschen arg vor den Kopf gestoßen. Meiner WG, einigen lieben Freunden, meiner Familie und nicht zuletzt auch dem Minister (Erinnerst Du Dich noch an die LRK, wo er irgendwann aufhörte zu argumentieren und sein Staatssekretär weitergemacht hat?) Ganz allein dafür wollte ich um Verzeihung bitten.
    4. In der Sache unserer politischen Arbeit waren wir (lies: ich) sicherlich nicht erstklassig, aber das Beste, was das Land in diesem Augenblick zu bieten hatte und weil wir uns ein gewagtes, aber erreichbares Ziel gesetzt hatten, weil wir zusammengearbeitet haben, waren wir auch erfolgreich. Das will ich nicht in Abrede stellen.
    5. Ich will nur sagen, dass ich sauberer hätte hobeln können, dazu offensichtlich nicht fähig (oder willens) war und dass es mir im Nachhinein leid tut.

    Die Absatznummerierung ist nur, weil der mir sonst keine Absätze formatiert, der Dödel. :)

  3. Jun 16 2009

    ja, aber genau deswegen musstest du doch auch über die str… Read Moreänge schlagen. das wir teilweise ideeologiefrei waren, das kann man uns zum vorwurf machen, keine frage. wir sollten uns deswegen aber nicht verstecken oder um verzeihung bitten. ich glaube auch nicht, dass du auf “der anderen seite” stehst. ganz im gegenteil: wenn du dich erinnerst, haben wir immer wieder über bildungspolitik und die missstände im deutschen bildungssystem gesprochen. wir haben einen klaren standpunkt zu bachelor und master, der nicht die rolle rückwärts, sondern eine bestandsaufnahme und fortentwicklung des systems fordert. wir lehnen studiengebühren ab, weil sie sozial ungerecht und wirkungslos sind. wir wollen ein gerechteres und von sozialen schranken freies bildungssystem mit förderung für die schwachen und die starken. und das war auch damals schon so. das wir keine fundamentaloppostionellen sind, egal. lass dich auch nicht auf “die andere seite” stellen. wer andere meinungen abqualifiziert kann nichts gutes im schilde führen.

  4. Jun 17 2009
  5. a) Freiheit von Ideologie muss nicht falsch sein.
  6. b) nur teilweise ideologisiert zu sein ist noch immer besser, als ganz. (Alter, frag einfach nicht, was da abgeht… Kurse a la: «68,88,97» Was ist das? Die akademische Arbeitergeschichte?)
  7. c) Ich habe jetzt einfach nur mehr Abstand. Glaube ich. Als ich damals so tief drinsteckte, habe ich auch viel härter diskutiert und da waren andere Meinungen eben mal abzubügeln, wenn sie mir nicht passten.

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