Im Matrazenschein
Im Matrazenschein liebten wir uns
Ich hier, Du dort.
Dazwischen: eine Lichtung.
Wie blutrünstige Schmetterlinge
gewitterten wir durch die schwangere Luft
Deine Brombeerbrust wellte mir entgegen
An einem sonnigen Hügel kam ich plötzlich
zum Stehen.
Ich hielt inne,
Du schautest innig herüber
Ja? fragte ich hin
Ja! befehltest Du zurück
Kein Priester weit und breit – zum Glück!
Ich war von Deinen Sinnen
Am Ende alles still
Nur von Weitem Sterne
sich ächzend liebkosend.
Ohne besondere Vorkommnisse
ohne besondere vorkommnisse
nicht der rede wert
nur ein paar zettel
wurden bekritzelt
ohne besondere vorkommnisse
nichts wesentliches
nur eine duftspur
und ein paar haare
ohne besondere vorkommnisse
nichts von belang
nur eine kleine weile
im groben und ganzen
ohne besondere vorkommnisse
nichts von dauer
nur eine kleine traurigkeit
die nicht gehen will
ohne besondere vorkommnisse
nichts um ein herz zu beweinen
nur ein kleines fehlen
deiner augen in meinem blick
100825
Herbstgedicht
fahles Licht klatscht ans Fenster
Wind treibt Faltblätter
düster schimmert Regen
Fäulnis im Blumentopf
Riesen im Wald
im Halbdunkel schwanken
müde ihre Schatten
Einsamkeit stählt nicht
Heißer Tee dampft
Honig tropft golden
sinkt langsam abwärts
löst sich auf
hilfloses Warmwasser
gurgelt unterm Fenster
müde verschwindet
grauverschleierte Sonne
»Entscheidend ist, was hinten rauskommt.«
Ein großer Tag, ein spannender Tag, dieser 30. Juni 2010. Drei Wahlgänge, deren Ergebnisse einzeln betrachtet wie kleine Erdbeben dem politisch Interessierten durch Mark und Knochen gingen. Ein Tag, an dem der von den Medien aufgebaute Spannungsbogen fast zerbrach. Weiterlesen
betrieben
treiben verfängt sich schweben
schweigen verstummt alles
worte stehen lose
schatten folgen schattenfolgen
wege flüchten den schatten
verfluchte schattenflucht
sonniges versteck
hinterm mond
kalt, klar, nüchtern
und doch: licht.
gemütliche neonröhren
schlagen aufs gemüt
ein. mal will ich sein
ohne zu schweigen
Letztes Gespräch
Wir sind hier
wo wir immer waren.
Du sagst:
Wir müssen reden.
Wo wir jetzt stehen,
sagst du,
und gehst.
Du bist gegangen
und willst doch bleiben
So rede doch,
sagen wir,
fragen wir,
wohin dieser Traum denn führt,
im Gehen schon.
Wir kommen wieder,
Nachdem du wiederkommst
Du musst
jetzt gehen. Wir
können nicht bleiben
Es ist wohl Zeit.
Du schaust auf die Uhr
Wir blicken zurück.
Geh’,
sagen wir,
sonst kommst du zu spät.
100504
mit tatkräftiger Unterstützung von miescha
Misanthropen unter sich
Du presst mich an dich, ich weiche zurück. Lasse Dich jagen, jage. Lässt mich jagen, jagst. Ich presse dich an mich, du weichst zurück. Ich bin dir wie jeder Andere. Du bist beliebig. Meine Ambivalenz macht dich anonym. Ich verliere dich in mir. Du nimmst mich mit. Kein Vorgeben, kein Nachsehen.
Deine Blicke fallen über meine her. Ehrliche Dunkelheit in dir und um mich herum. Deine Körper pressen das Hassende in meinen an sich, bis es nach Liebe riecht. Weder Fragen, noch Bitten. Dein Tod ist mein Tod über dich hinaus. Du Zerrst, ich ziehe. Unverblümtes Wollen vollstreckt sich an der Gegenseitigkeit des Scheins.
Stille ringt nach Atem. Du bist was ich bin. Entblößt verdeckst Du mich vor dir.
Dunkelheit. Der Kühlschrank springt an. Scheinwerfer wandern an der Decke.
Morgengrauen. Nackte Füße huschen übers Parkett. Beine kehren mit Hemd zurück. Eine Tür klappt.
Sonntag.
Draußen ist’s Frühling.
Auf der Straße bellen Hunde.
In den Bäumen singen Vögel.
Sonne wärmt die Balkone.
Von irgendwo Schreie.
Sie dringen durch alle Türen.
Kommen übers Treppenhaus.
Aus einem Kind.
Ein Schrei ist Schmerz
Ein Schrei ist Trotz
Ein Schrei ist Wut
Ein Schrei ist Klage
Wo ist denn der Tatort?
Heute ist doch Polizeiruf.
Hauptsache Krimi.
Ein Kind schreit.





