Auszeit
Ich trete ins Freie, entzünde meine Zigarette, nehme einen ersten tiefen Zug, schaue mich um. Der Himmel hängt grau überm Land und lässt einen Mittagsregen niedergehen. Ich laufe los, der Asphalt löst sich nur ungern von der Wärme der Vortage, wärmt dafür meine Füsse, in den Rinnsteinen liegen weggefegte Kiesel. Vor den Reihenhäusern liegen die Beete und saugen das fallende Lebenselexier ruhig, doch voller dankbarer Gier auf. Die kleine Straße ist leer, die aufgereihten Gärten hinter den Häusern hübsch anzusehen, zierliche Gemüsebeete drängen sich dicht an kleine Gewächshäuser, die Rasenflächen werden wohl morgen gekürzt. An einer Hauswand rankt zaghaft empor ein Wein, dessen erste Ernte noch ein Jahrzehnt wird brauchen, doch er hat sie, die Zeit. Die Tage ziehen langsamer hier. Unter einem Verschlag wartet eine Katze auf das Ende des Regens und ist darüber eingeschlafen. Überhaupt scheint die ganze Siedlung zu schlafen, einen sanften, tiefen Mittagsschlaf. Die Postfrau kommt mir geschäftig entgegen und trotz aller gebotenen Eile ist auch auf ihrem Gesicht Schlaf zu lesen. Auf einem größeren Stück Rasen steht eine Schaukel und wartet. Leise fallen die Regentropfen auf Blätter, Blüten, Gras, wiegen sich die Pappeln müde im Wind, nach den Strapazen der letzten Hitzetage ruht sich alles aus, der Regen lullt sie mit seinem sanften Singsang ein und lässt von der Vergänglichkeit der Zeit nur mehr eine Ahnung zurück. Unter einem Carport erwartet ein Berhardiner sein Herrchen, auch er schläft lieber, als die Katze von nebenan zu jagen.
Schwach schwebt die letzte Rauchwolke meiner Zigarette durch die Regenluft, wird von den Tropfen durchlöchert, bis sie ganz verschwindet. Ich schaue mir auf die Fußsohlen, sie sind sauber, ich tappe durch die Pfützchen. Das weiche, warme Wasser umspült mir die Sohlen. Ich verschenke einen Gedanken an die große laute Stadt, lasse ihn fliegen, er sackt zu Boden, bleibt liegen. Ich hebe ihn auf, ein wenig flattert er noch mit den kleinen Flügelchen, doch schließlich schläft auch er. Ich kehre zurück zum elterlichen Haus, beschaue meine Fußsohlen und es scheint fast, als ob sie sauberer sind als zuvor.
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